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07.06.2007

Lesefest auf der Burg

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Literaturtage feiern mit namhaften Künstlern vom 14. bis 17. Juni Zehnjähriges in Ranis

Von OTZ-Redakteurin Ulrike Merkel Das Jahr 2006 bot dem türkisch-deutschen Autor Feridun Zaimoglu reichlich Turbulenzen. Zu Jahresbeginn erschien sein gefeierter Roman "Leyla", der die Einwandergeschichte seiner Mutter beschreibt. Wenig später wurden allerdings Plagiatsvorwürfe laut. Zaimoglu habe von Emine Sevgi Özdamar abgeschrieben. Ein Vorwurf, den der Autor vehement abstritt. Er habe nie auch nur eine Zeile seines Landsmannes gelesen, verteidigte sich Zaimoglu. Selbst Özdamar sprach ihn frei. Im August 2006 schließlich überlebten Zaimoglu und seine Mutter nur knapp einen Busunfall in der Türkei, anders als zwölf weitere Fahrgäste.
Am 15. Juni können sich Gäste der "Thüringer Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis" selbst ein Bild von Zaimoglus erzählerischem Talent machen. Gemeinsam mit dem Leipziger Autor Clemens Meyer und der Thüringerin Ursula Schütt bestreitet er eine der 14 Veranstaltungen, die der Lese-Zeichen e.V. zum zehnjährigen Bestehen des Festivals in Ranis bietet. Während Zaimoglu aus "Leyla" vorträgt, gibt Meyer Kostproben aus seinem preisgekrönten Roman "Als wir träumten", der vom gewalttätigen Alltag einer Leipziger Jugendclique handelt. Ursula Schütt setzt mit ihrer leisen Prosa den Kontrapunkt.

Zur Jubiläumsausgabe gastieren eine Reihe namhafter Künstler in Ranis: von Schauspielerin Jutta Hoffmann über Krimiautor Wolfgang Schorlau und Schriftsteller Alexander Osang bis hin zu Musiker Cäsar Peter Gläser und Wortkünstlerin Angelika "Lütte" Mann. "Das Programm darf sich ruhig beißen", sagt der Geschäftsführer des Lese-Zeichen e.V., Dr. Martin Straub, mit Blick auf die verschiedenen Offerten. Kabarett, Märchen und Puppenspiel werden ebenso geboten wie Belletristik und Lyrik.

Jutta Hoffmann liest zum Festivalauftakt am 14. Juni aus den Tagebüchern der Schriftstellerin Brigitte Reimann. Darin schreibt die früh gestorbene Reimann vom Leben in der DDR der 50er und 60er Jahre. Mit ergreifender Offenheit erzählt sie aber auch von Liebe, Ehekrisen und ihrem Krebsleiden.

Krimiautor Schorlau wird am 16. Juni den dritten Fall seines Stuttgarter Privatdetektivs Georg Dengler aufdröseln. In "Fremde Wasser" muss Dengler den Mord an einer Bundestag-Abgeordneten aufklären und kommt dabei einem milliardenschweren Wasser-Komplott auf die Spur. Autor Osang ist Gast beim "Lese-Café" von MDR-Figaro, das erstmals live vom Festival sendet. Moderator Michael Hametner wird mit Osang über seinen neuen Roman "Lennon ist tot" sprechen.

Während Angelika Mann beim Abschlusskonzert am 17. Juni, um 20 Uhr, eine Mischung aus Swing, Chanson, Jazz, Rock und Gassenhauern präsentiert, stellt sich Gitarrist Cäsar Peter Gläser zwei Stunden zuvor in seinem Lese-Konzert als Autor vor. In seiner Autobiografie "Wer die Rose ehrt" erinnert er sich etwa an seine Zeit bei der Renft-Combo und der Band Karussell. "Die Literaturtage sind Begegnungsort der unterschiedlichen Künste", sagt Dr. Straub. Musik und humoristische Thüringer Prosa vereint auch der bereits fast ausverkaufte Literaturball.

Begründet wurden die Literaturtage von Hans Westerheide und der Pößnecker Großdruckerei GGP Media. Seither haben 200 Autoren zu den Literaturtagen gelesen und die Burg Ranis als Literaturburg in Ostthüringen etabliert. Unterstützt wird der Lese-Zeichen e.V. von Sponsoren wie dem GGP Media und der Sparkassen-Kulturstiftung. Für die Zukunft hofft Straub, dass das Land noch stärker die Arbeit des Vereines finanziell unterstützt. "Die Literatur ist in Thüringen wohl die am bescheidensten geförderte Kunstgattung."