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22.07.2014

Lebensweisheiten eines Gärtners: Lesung im Villenpark in Pößneck

von Hartmut Bergner Ostthüringer Zeitung

Christine Hanselmann und Martin Straub wechselten sin beim Lesen ab. Foto: Hartmut Bergner

Etwa 60 Zuhörer versammeln sich unter dem Blätterdach des Parks der Villa Altenburg in Pößneck zur Lesung der Reihe Sind im Garten!. Karel Capeks Buch Das Jahr des Gärtners bietet dabei beste Unterhaltung.

Pößneck. Im Rahmen der ­Sommerlesereihe "Sind im Garten" bot der Verein Lese-Zeichen gemeinsam mit dem Hotel Villa Altenburg am Sonntag einen literarisch-musikalischen Nachmittag. Mit einem am ­Gartenzaun hängenden Schild mit der Aufschrift "Sind im Garten!" wurden Garten- wie auch Literaturfreunde gleichermaßen eingeladen.

Andrea Haas, die Chefin vom gastgebenden Parkhotel Villa Altenburg, hätte die bis 15 Uhr eintreffenden Besucher mit den Worten "Sitzen im Schatten" begrüßen können und fast auch "Die Sitzplätze sind alle!" sagen müssen. Etwa 60 Leute hatten sich inzwischen unter dem schützenden Blätterdach einer Baumgruppe aus Buchen versammelt. "So viele Besucher hatten wir zu Lesungen wohl noch nie", zeigte sich Andrea Haas angenehm überrascht und flitzte mit ihren Servicekräften durch den großen Park, um ausreichend kalte Getränke, aber auch Kaffee und Kuchen bereit zu stellen.

Im Mittelpunkt stand aber ­Karel Capeks Buch "Das Jahr des Gärtners". Gleich zu Beginn der Buchlesung "gestanden" fünfzig Prozent der Gäste, selbst Gärtner, also Freizeitgärtner, zu sein. Ja, es war wie ein Offenbaren. Viele ahnten wohl bereits, was Karel Capek über das Freizeitgärtnern im Allgemeinen und den Hobbygärtner im Besonderen schrieb. "Das Jahr des Gärtners" ist kein Fachbuch mit Tipps für Aussaat, Pflege und Ernte. Dann wäre es nach fast neunzig Jahren, es ist 1929 erstmals erschienen, aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse längst überholt und ­unnütz. Es ist ein feuilletonistisches Buch, mal humorvoll, mal ironisch und voller uralter ­Lebensweisheiten.

Im Mittelpunkt steht der Gärtner, dessen höchster Punkt grundsätzlich sein Hinterteil sei. Erstaunlich, wie wenig sich das Bild über die Jahrzehnte gewandelt hat. Da hatte zum Beispiel auch Helmut Seiferth, der Vorsitzende vom Pößnecker Obst- und Gartenbauverein, keine andere Auffassung. Er genoss die humorvolle Veranstaltung und lobte das angenehme Ambiente.

Sehr gut kam der abwechselnde Einsatz der Vorleser in Person von Christine Hansmann und Martin Straub an, die auch noch Gedichte zum Thema einstreuten. Oliver Räumelt war mit dem musikalischen Part an diesem Nachmittag beauftragt und holte sich mit seinem traumhaften Akkordeonspiel jeweils den größten Zwischenapplaus.

Sollte tatsächlich der eine oder andere Gast auf Fachliteratur gehofft haben, dann konnte er am Stand der Pößnecker Buchhandlung Am Markt fündig werden. Neben einer x-ten Neuauflage von Karel Capeks Buch wurden auch aktuelle Fachbücher vorgestellt. Diese Sommerlesung war kurzweilig und die Zeit verging wie im Flug. Mit anderen Worten, nach einer guten Stunde mussten alle wieder dieses schöne schattige Plätzchen im herrlich angelegten Park der einstigen Fabrikantenvilla verlassen und unter der immer noch unerbittlich brennenden Sonne den Heimweg antreten.