Presse - Details

 
26.09.2003

Landschaften in Bild und Text

von Kai Agthe TLZ

Arbeitstreffen von Thüringer Autoren und bildenden Künstlern auf Burg Ranis

Ranis. (tlz) Bildenden Künstlern schaut man gern über die Schulter, Schriftstellern dagegen nicht. Atelierbesuche sind spannend, Abstecher ins Schreibzimmer kaum. Denn die Arbeit mit Farben ist die einzige Kunstform, die man sowohl sehen als auch riechen kann. Dennoch ist es immer für beide Seiten anregend, wenn bildende Künstler und Literaten zusammenfinden. So geschehen in dieser Woche auf Burg Ranis bei Pößneck. Der Lese-Zeichen e. V. hatte sechs Maler und Grafiker sowie sechs Autoren aus Thüringen zu einem Arbeitstreffen in die Burgstadt eingeladen. Das Motto: "Weitere Aussichten".
Die Landschaft um Ranis mit ihren gleichmäßigen Wellenbewegungen war für Bettina Schünemann der Auslöser für ihre zum Teil großformatig umgesetzten Bildideen.
Die aus Niedersachsen gebürtige und in Gotha lebende Künstlerin unterzieht in ihrer Malerei das Konkrete, in diesem Fall die natürliche UmweIt, einem mehrstufigen Abstraktionsprozess. In vier Tagen entstanden allein zehn Olgemälde.
Fragt man Schriftsteller , woran sie arbeiten, halten sie sich gern bedeckt. Jan Volker Röhnert aus Jena - dessen Lyrikdebüt "Burgruinenblues" jüngst in der "Edition Muschelkalk" erschien und vom Literarischen Colloquium Berlin prämiert wurde - ließ jedoch durchblicken, dass er an einem Zyklus mit Gedichten über die Stadt, ihre Burg und die sie umgebende Landschaft arbeite. Lyrische Texte, die, so Röhnert, durchaus mit den Bildern von Bettina Schünemann korrespondieren. Eine Art Arbeitsgemeinschaft bildeten auch die Weimarer Fotografin Sibylle Mania und die Autorin Annerose Kirchner aus Gera. Ihre Themen fanden sie vor allem in der Umgebung von Ranis, so u. a. bei einem Besuch in der Erdbebenstation Moxa.
Sergej Uchatsch aus Jena blieb dem Veranstaltungsort, der 1571 von der Familie Breitenbauch erworbenen Burg Ranis, eng verbunden und schuf eine Reihe von kleinformatigen Monotypien, die Details der Burgenarchitektur und des städtischen Weichbilds aus ungewöhnlichen Perspektiven festhalten.
Für die Schriftstellerin Ingrid Annel aus Tiefthal bei Erfurt wiederum war eine Episode aus der Familiengeschichte der ehemaligen Besitzer der Burg die zündende Idee zu ihrem Text. Da sich die Breitenbauchs am Anfang des 20. Jahrhunderts in Breitenbuch umbenannten, begibt sich Annel in ihrer Geschichte auf die Suche nach dem verschwundenen Vokal "a".
Die Ergebnisse dieses von der Stiftung Kulturfonds sowie dem Thüringer Kunstministerium unterstützten Arbeitsaufenthaltes werden im Dezember in der Galerie Westerheide in Ranis und Anfang 2004 in der Ernst-Abbe-Bücherei in Jena zu sehen sein.
Ein Begleitbuch mit ausgewählten bildkünstlerischen und literarischen Arbeiten erscheint unter dem Titel "Weitere Aussichten" im Glaux-Verlag Jena.