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20.03.2012

Landolf Scherzer über sein Buch "Madame Zhou und der Fahrradfriseur"

von Annerose Kirchner Ostthüringer Zeitung

Autor Landolf Scherzen auf der Buchmesse Leipzig. Foto: Annerose Kirchner

Am Stand des Aufbau Verlages, der sich zur Leipziger Messe wieder mit einem großen Stand präsentiert, war das neue Buch von Landolf Scherzer nur eines von vielen.  Etwas mehr Werbung für seine China-Reportage "Madame Zhou und der Fahrradfriseur" wünscht sich der Thüringer, der schon in Russland, Afrika und Osteuropa war oder zu Fuß entlang der innerdeutschen Grenze wanderte. Ein Anlass dafür wäre der 40. Jahrestag der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen der BRD und China. Eigentlich war das neue Buch gar nicht geplant, aber wenn Scherzer unterwegs ist, meist mit Rucksack, kann er gar nicht anders: Er schreibt. Sechs Wochen Peking, und dann ein Buch. "Eigentlich geht das gar nicht. Ich bin auf private Einladung geflogen, hatte also jemanden, der mich an die Hand nahm." Scherzer hat kaum recherchiert. "Dafür brauchst du Jahre, denn wenn ein Autor sagt, China ist so und so, dann ist das eine große Lüge. Ich habe nie den Anspruch auf Universalität gestellt, fuhr hin, ohne etwas zu wissen und bin heimgekommen, ohne viel mehr zu wissen." Regelrecht umgehauen hat ihn der riesige Strom an chinesischen Menschen. "Heute ist jeder Fünfte auf der Welt ein Chinese, nur dass die anderen kein Chinesisch sprechen." Und: "Das Land ist wie ein See ohne Land. Da bist du froh, wenn du irgendwo schwimmend an Land kommst." Scherzer stützt sich auf Beobachtungen und Erlebnisse, wurde dabei kurze Zeit begleitet von Kuni, der Dolmetscherin. "Ich habe mit vielen kleinen Leuten gesprochen und viel Armut gesehen. Und ich habe Menschen getroffen, die Chinas Reichtum schaffen, ohne dass sie es wissen. Das sind die Wanderarbeiter. Davon gibt es 130 Millionen." Scherzer weiß, das wäre auch ein Thema für ein Buch gewesen. Er erzählt über den letzten DDR-Militärattaché in China, der nach der Wende Fleischer lernte und heute in China Thüringer Bratwürste herstellt oder über Madame Zhou, die sich für die Kinder der Wanderarbeiter einsetzt und natürlich über den Fahrradfriseur. Der schärfte seine alte Solinger Klinge und schnitt dem Thüringer die Haare. Ein Buch voll praller Geschichten ist entstanden, in dem auch eine Pflanze, "Anthurium Scherzerianum", vorkommt, für die Scherzer nicht der Namensgeber ist. Landolf Scherzer: "Madame Zhou und der Fahrradfriseur. Auf den Spuren des chinesischen Wunders". Aufbau Verlag. 359 S., 50 Fotos, 19,99 Euro