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05.06.2011

Landolf Scherzer las in Gefell nicht nur aus "Letzte Helden"

von Roland Barwinsky Ostthüringer Zeitung

Landolf Scherzer las am Freitagabend im Rathaus von Gefell und signierte dort anschließend seine Bücher. Foto: Roland Barwinsky

Landolf Scherzer wäre nicht Landolf Scherzer, wenn er nicht in der Lage wäre, auf konkrete Situationen ganz spontan zu reagieren. Einfach so aus Spaß! Am Freitagabend erblickte der Autor im Gefeller Rathaus einen üppigen Büchertisch mit vielen seiner bisherigen Veröffentlichungen.

Gefell. Deswegen entschloss sich der 70-Jährige kurzerhand nicht nur aus "Letzte Helden" zu lesen. Der Gast gab nun einen Gesamtüberblick über seine bisherigen Werke.

Es folgte eine Episode aus dem Buch "Fänger und Gefangene", welches bereits 1983 erschien und ungeschönt Einblicke in die DDR-Hochseeflotte gewährte. Scherzer heuerte seinerzeit auf einem volkseigenen Schiff an und lernte dort das Fische schlachten. Verschont blieb er dabei natürlich nicht von allerhand skurrilen Szenen, welche im Vorfeld eines Staatsbesuches im Kombinat abliefen. Da wurden nämlich nur die für den hohen Besuch sichtbaren Teile der Schiffe frisch gestrichen. Immer geradeaus ging es anschließend weiter. Denn der rastlose Literat lieferte einige Momentaufnahmen von seiner Wanderung durch mehrere Staaten Osteuropas vor einigen Jahren. Mit der eigenen, einst in Bulgarien erstandenen 40 Jahre alten Kraxe (auch Rucksack) marschierte der Thüringer durch touristisch kaum erschlossene Landschaften. Unterwegs ließ er sich sogar von "den Zigeunern" einladen. Und das obwohl jeder Depp ihn vorab vor diesen Menschen gewarnt hatte. Wiederum zeigten sich hier Scherzers Stärken als Autor. Seine Reportagen wirken zutiefst glaubhaft. Da wird nichts zu dick aufgetragen oder gar für den Boulevard zurecht gemacht. Eher agiert da ein Weggefährte, den die Neugier immer wieder antreibt.

 

Authentisch sind auch die 2010 in dem Buch "Letzte Helden" niedergeschriebenen Reportagen. Beispielsweise die Geschichte von der 41-jährigen Rita. Sie lebt heutzutage von Hartz IV. Zuvor hatte die Frau wenig Gutes erlebt. Als gelernte Klavierbauerin zog sie einst voller Hoffnung mit ihrem Mann nach Hessen. Diese Beziehung ging entzwei. Und Rita ging zurück in ihre Heimat. Wo es keine Arbeit und nur wenig Perspektiven für die Alleinerziehende mit zwei Kindern gab.

Sozusagen als Kontrastprogramm dazu begab sich Scherzer anschließend auf die Suche nach Millionären. In Radebeul soll es gleich eine ganze Menge davon geben, wie es hieß. Besonders oben im "Goldstaubviertel". Tatsächlich fand der Suchende dann eine Story, der der vom Tellerwäscher zum Millionär doch sehr ähnelte.