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14.10.2015

Landolf Scherzer hat Buch über Bodo Ramelow geschrieben

von Antje Lauschner Ostthüringer Zeitung

Der in Dresden geborene Schriftsteller Landolf Scherzer in seinem Haus in Dietzhausen bei Suhl. Archivfoto: Marco Kneise intern

„Am Tag, als der Rote kam“: Den 5. Dezember 2014, als Bodo Ramelow als erster linker Ministerpräsident im Thüringer Landtag vereidigt wird, wird Landolf Scherzer so schnell nicht vergessen. „Vielleicht waren meine Gummistiefel zu groß. Vielleicht war der Schlamm im Graben zu zäh“, schreibt er. Der Südthüringer Autor verliert an dem Tag, als erstmals eine rot-rot-grüne Landesregierung in Deutschland antritt, Schuh und Strümpfe auf der Suche nach einem Leck in seiner Wasserleitung.

Das erzählt Scherzer in seinem Buch „Der Rote. Macht und Ohnmacht des Regierens“, für das er die ersten hundert Tage der Regierung kritisch begleitet hat. Zur Frankfurter Buchmesse erscheint die 355 Seiten umfassende Reportage im Aufbau Verlag Berlin.

Auf keinen Fall wolle er glorifizieren, sagt Scherzer zu Beginn der Reportage. Wie loyal sind Mitarbeiter und Beamte, die teilweise 25 Jahre in den Ämtern sitzen und anderen Parteien angehören als ihre neuen Dienstherren? Was für ein Mensch ist Ramelow? Und vor allem: Wie ohnmächtig ist eine Regierung, die etwas machen will, aber anderes tun muss – wie etwa beim Bau der 380-KV-Leitung über den Thüringer Wald. Gegen die Trasse hatten sich Bürgerinitiativen, Linke und Grüne jahrelang gesperrt. Ramelow hatte die Genehmigung im Wahlkampf nicht verhindern können. Es ist die erste, schmerzhafte Niederlage, wie er eingesteht.

Scherzer und Ramelow kennen sich seit Beginn der 1990er vom Hungerstreik und der Niederlage der Kali-Kumpel in Bischofferode. Sie duzen sich. Für die Recherchen zum „Roten“, so ist bei Scherzer bedauernd zu lesen, habe sich der Ministerpräsident für persönliche Gespräche jedoch rargemacht.