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02.09.2008

Landeswite Bücheroffensive

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) In der Bibliothek Neustadt an der Orla liest im Ambiente einer Ausstellung "Wie entsteht ein Kinderbuch?" die Jugendbuchautorin Verena Zeltner, während im Deutschen Nationaltheater Weimar der Literaturwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma sein neues Werk "Vertrauen und Gewalt: Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne" vorstellt. In Jena treten fünf Autoren im Freundeskreis "Ricarda Huch" in Aktion, sieben Rudolstädter Männer (darunter Steffen Mensching und Matthias Biskupek) lesen Texte berühmter Thüringer Schriftstellerinnen, und im Pfarrhof in Apfelstädt (Landkreis Gotha) präsentieren die Preisträger des Menantes-Schreibwettbewerbs für erotische Dichtung ihre poetischen Früchte.
Das sind nur fünf von insgesamt über 60 Aktivitäten am "Tag der Literatur in Thüringen", der am 6. September erstmals veranstaltet wird. Gegenwärtig leben im Lande mehr als 400 Schriftsteller, hat der Thüringer Literaturrat als Initiator der Leseinitiative eruiert. Möglichst viele von ihnen, wünscht sich Koordinator Jens Kirsten, mögen am Samstag öffentlich in Erscheinung treten und die Aktionen an Schulen, in Buchhandlungen, Bibliotheken und Vereinen unterstützen.

Zwischen Altenburg und Bad Tennstedt, Pößneck und Limlingerode finden neben Lesungen auch Märchennachmittage, Vorträge, literarische Exkursionen, Buchausstellungen und Bücherflohmärkte statt. In der Klinik Waltershausen-Friedrichroda stellen Mitglieder der Landesgruppe des Bundesverbandes deutscher Schriftsteller-Ärzte ihre Werke vor. Kultusminister Bernward Müller (CDU) hat sich für einen Besuch des "Literarischen Igelvormittags für alle kleinen und großen Igelfreunde" in der Stadtbücherei Weimar entschieden.

Jens Kirsten hofft, dass am Tag der Literatur "die lokalen kreativen Potenziale im Spannungsfeld zwischen Hoch- und Populärkultur gebündelt werden" und der lebendige literarische Reichtum des Landes sichtbar wird. Theater, Buchhandlungen, Verlage, die literarischen Gesellschaften und Vereine - viele gehören zu den mehr als 40 Mitgliedern des Thüringer Literaturrats - unterstützen das Anliegen.

Auch der Thüringer Verband deutscher Schriftsteller (VS), unter dessen Mitgliedern der Literaturtag umstritten ist, beteiligt sich mit einer Iniative. Unter dem Motto "Thüringer Autoren lesen in ihren Heimatorten" treten 11 VS-Mitglieder - zumeist ehrenamtlich - in Altenburg, Gera, Jena, Suhl, Ulla und Worbis auf. Der Literaturrat plant, bei einem Erfolg den Tag der Literatur in Thüringen fest zu verankern. Kritiker verweisen auf zahlreiche bereits vorhandene Initiativen, wie etwa den Welttag des Buches, und fragen, ob man sich nicht auf eine davon konzentrieren sollte.

@ www.thueringer-literaturrat.de