Presse - Details

 
28.01.2005

'Landei' aus Oberbayern sucht Abwechslung zur Großstadt

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Raniser Stadtschreiber Christopher Klöble auf Weg zum Schriftsteller

Von Mario Keim Ranis (OTZ). Der Reiz an der Stadtschreiber-Stelle in Ranis ist ungebrochen. Davon zeugen die rund 50 Bewerbungen, die vergangenes Jahr eingegangen sind.

Zum ersten Mal seit seiner Wahl im Juni stand Christopher Klöble (22) am Mittwoch in der Gaststätte "Schmiede" den Besuchern Rede und Antwort. Sein erster Aufenthalt in der Burgstadt sei es allerdings nicht gewesen, verriet der junge Mann aus Oberbayern, der seit 2003 am Literaturinstitut der Universität Leipzig studiert und sich schon einige Male in Ranis umgesehen habe. " Leipzig hat die einzige Institution im deutschsprachigen Raum, die sich um die Ausbildung von jungen Autoren kümmert", erläuterte Klöble den wenigen Anwesenden, die eine Menge über den jungen Mann und dessen Ambitionen rund ums Schreiben erfuhren.

Mit Christopher Klöble ist nicht nur ein echter Nachwuchsschreiber im Amt. Der Bewerber bietet angesichts seines Bildungsweges den Ranisern etwas Besonderes. Dabei hatte der Vater, der im Filmgeschäft tätig ist, so etwas wie eine Vorbildwirkung. Der Abschluss nach etwa drei Jahren Studium sei mit einer Art Diplom für Schriftsteller zu vergleichen, gab der Gast zu verstehen. Er habe jedoch nicht die Absicht, sofort nach seinem Studium seinen vollständigen Lebensunterhalt damit zu bestreiten. "Das wäre eine utopische Vorstellung".

Klöble gab sich während des Abends nicht nur als sympathischer Zeitgenosse, sondern zugleich als aufmerksamer Beobachter der Verlagsbranche und als Realist. "Es ist schade, dass sehr viel auf Kommerz ausgerichtet ist." Trotz des weltweit dichtesten Verlagsnetzes sei es für Autoren schwierig, erfolgreich zu arbeiten und den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Der Student, der zwei eigene Erzählungen vorstellte, will sich in Ranis mit einer Sammlung von Kurzgeschichten in Erinnerung bringen. Seine Tätigkeit als Stadtschreiber sei von Vorteil, damit er nicht allein für sich schreiben und lesen müsse.

Dass er sich um Literatur und nicht um die Chronik der Stadt kümmert, war ihm rechtzeitig bekannt. "Deswegen habe ich mir die Bewerbung schon genau durchgelesen". Außerdem zieht es den Mann aus der 2500 Einwohner zählenden Gemeinde Königsdorf immer wieder aufs Land. Die Abwechslung zwischen Leipzig und Ranis biete deshalb so manchen Kontrast.