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21.06.2014

Kunstcocktail zum Auftakt in Ranis: Literatur- und Autorentage gestartet

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung der 17. Thüringer Literatur- und Autorentage auf der Burg Ranis stand Nora Gomringers ­Gedichtband "Monster Poems", aus dem die Wahl-Bambergerin las. Foto: Mario Keim

Ranis. Das Ranis-Wochenende der 17. Thüringer Literatur- und Autorentage ist am Donnerstag mit einem feinen Kunstcocktail gestartet. Unter dem Motto ?Literatur, Musik und Grafik? überzeugten Ausnahmegitarrist Helmut Joe Sachse sowie Autorin Nora Gomringer, deren 2013 erschienener Gedichtband ?Monster Poems? (Verlag Voland & Quist Leipzig/Dresden) im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung stand. Grafiker Reimar Limmer, der die Illustrationen zum Gedichtband der 34-jährigen Autorin beisteuerte, zeigt in einer Ausstellung noch bis zum Sonntag die Grafiken, die Nora Gomringers Texte illustrieren.
?Ich bin erstaunt, was sie für Töne aus der Gitarre heraus holen. Das ist ein guter Einstieg in die Literaturtage? sagte Landrat Thomas Fügmann (CDU) zum exzellenten Spiel des Jazzgitarristen Sachse, dem dessen britischer Musikerkollege John McLaughlin einst bescheinigte: ?Joe Sachse braucht keine Band. Er produziert all diese Dinge selbst.?
Sachse, den die 40 Gäste frenetisch feierten, genoss die Aufmerksamkeit der Besucher, nahm sich dennoch zurück, um Nora Gomringer die gebührende Beachtung an diesem Abend zu schenken.
Die Autorin, die Lyrik verfasst und für Radio und das Feuilleton schreibt, ist in diesem Jahr in der Nachfolge von Uwe Kolbe in Ranis als ?writer in residence? in Aktion zu erleben. Dazu führte sie gestern ein Autorengespräch mit Literaturwissenschaftsstudenten der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Am heutigen Sonnabend findet unter ihrer Anleitung ein Literaturkolleg mit acht Nachwuchsautoren aus ganz Deutschland statt. Diese haben die Gelegenheit, mit Nora Gomringer an ihren Texten zu arbeiten und sich auszutauschen. Die Plätze für das Kolleg sind über eine öffentliche Ausschreibung vergeben worden.
Andreas Berner, Vorsitzender des gastgebenden Vereins Lese-Zeichen, lud die Besucher ein, das vielfältige Programm am Wochenende zu nutzen und dankte allen langjährigen Förderern und Sponsoren des Vereins für ihre tatkräftige Unterstützung. Er bedankte sich ferner bei Vereins-Geschäftsführerin Uta Utzelmann, Ralf Schönfelder, Projektmanager der Literatur- und Kunstburg Ranis, sowie dessen Vorgängerin Anke Scheller für die unermüdliche Arbeit. Dazu gehören auch die ehrenamtlichen Mitstreiter des Vereins, ?die sehr viel Arbeit leisten.?
Thomas Deufel (SPD), Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, nannte die Thüringer Literatur- und Autorentage und speziell das Wochenende auf Burg Ranis ein ?Fest der Literatur?, bei dem sich Besucher und Autoren in vielfältiger Weise begegnen. Das Programm sei Beweis dafür, dass sich ?Kultur nicht nur auf große Zentren beschränkt?, sagte Deufel, der am Donnerstag in Abwesenheit Kultusminister und Schirmherr Christoph Matschie (SPD) vertrat. ?Die Literaturtage sind über die Grenzen Thüringens hinaus bekannt und werden als literarisches Ereignis wahrgenommen.?
?Es ist etwas ganz Besonderes, ein kultureller Leckerbissen. Wir haben uns die Förderung deshalb gern auf die Fahne geschrieben. Thüringen ist ein Literaturland und Ranis eine Literaturstadt?, sagte Nicole Schlabach, Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin beim langjährigen Förderer Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen,
?Ich danke dem Lese-Zeichen, den Sponsoren und allen Partnern, die uns die Treue gehalten haben?, sagte der Raniser Bürgermeister Andreas Gliesing (Christliche Mitte/Gewerbeverein). Das Stadtoberhaupt zeigte sich erleichtert, dass der Museumsbetrieb auf der Burg für zunächst drei Jahre gesichert sei.?Die Literaturtage hätten sonst unter keinem guten Stern gestanden?, erinnerte Gliesing an die intensiven Gespräche um die Rettung der städtischen Einrichtung in der Zeit von November bis Mai.