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27.01.2007

Kunst und Ökologie

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Internationales Kontaktseminar arbeitet für ein anspruchsvolles EU-Projekt in Ranis vor

Von OTZ-Redakteur Marius Koity Ludwigshof. In Ludwigshof arbeiten junge und jung gebliebene Leute aus vier Ländern an einer spannenden Vision. Mit Hilfe der Europäischen Union soll in Ranis ein nachhaltiges Projekt entwickelt werden, das mit künstlerischen Mitteln bzw. mit moderner Kunst beispielsweise Fragen der Naturethik zur Diskussion stellt. Mit anderen Methoden als die der klassischen Bildung sollen Denkprozesse in einem europäischen Kontext in Gang gesetzt werden. Schlicht gesagt: Es soll ein anspruchsvoller Natur- und Kultur-Lehrpfad entstehen, der sanften Tourismus nach Ranis bringen soll.
Dieses Projekt soll im nächsten Jahr verwirklicht werden und darüber machen sich bis morgen 25 Russen, Ungarn, Polen und Deutsche in einem ebenso EU-geförderten Kontaktseminar Gedanken. Die Köpfe rauchen bei Papilio und im Artenschutzzentrum. Lokale Träger der Veranstaltung sind die in Ranis engagierten Vereine Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen, Lese-Zeichen und Papilio Formatio.

"Kunst ist sehr viel wirksamer als eine klassische Schautafel", findet Tagungsleiter Thomas Ritschel. Er hat eine sehr breite Palette von Vorstellungen zu moderieren, denn es nehmen Studen- ten und Hochschullehrer, Künstler und Wissenschaftler, ein Erdölingenieur und ein Wisentexperte, ehrenamtliche und haupt- berufliche Umweltschützer, Vertreter einer Sprachschule und einer christlichen Organisation teil. Die 20 ausländischen Gäste kommen aus Krakow (Krakau) und Bialystok in Polen, Kaliningrad (Königsberg) und Jasnaja Poljana in der Russischen Föderation sowie Nyiregyhaza in Ungarn. Am Erfolg des Seminares ist die Stadt Ranis sehr interessiert, zum Begrüßungsabend am Donnerstag war sie durch Stadträtin Birgit Riemann vertreten.

Die Diskussionen gehen auch über Ranis hinaus. Die Osteuropäer wollen Kontakte knüpfen und erfahren, wie sie mit EU-Hilfe selbst grenzüberschreitende Projekte machen können. Das ist im Sinne der Veranstaltung, denn sie soll auch einen Beitrag zur Förderung des europäischen Gedankens leisten, wie Norbert Naumann, Vorsitzender des Papilio Formatio e. V., darlegte.

So will Miklos Piskolczi, Hochschulassistent in Nyiregyhaza und Mitglied des ungarischen Umweltschutz- und Umweltbildungsvereines E-Misszio, in Ludwigshof konkret erfahren, wie in anderen Ländern Umwelterziehung geleistet wird. Mit den Gesprächspartnern dieser Tage will der Mitarbeiter einer Fakultät für Umweltmanagement prüfen, ob gemeinsame Projekte realisiert werden könnten. Darum geht es auch Mihal Skierczynski, Biologe im Biebrza National Park, eines der letzten unberührten Sumpfgebiete Europas an der polnisch-weißrussischen Grenze. Kunstfotograf Marek Stankiewicz wiederum will sich nicht nur in das Raniser Projekt einbringen, sondern auch Bilder der Region in Polen veröffentlichen.

Während mehrere Seminarteilnehmer während des Begrüßungsabends durchaus veredelbare Schnittmengen zwischen den Bereichen der Natur und der Kultur sahen, gehörte Cezary Werpachowsky, Ökologe im erwähnten polnischen Nationalpark, zu den Leuten, die sich eine Verbindung von Kunst und Ökologie noch schwer vorstellen konnten. Freilich wollte er sich dem "Experiment" nicht verschließen. Wie es ausgegangen ist, wird man sehen.

Dr. Martin Straub, Geschäftsführer des Lese-Zeichen e. V., gehörte zu den Zuversichtlichen und war schon darüber begeistert, dass Leute strapaziöse 1000 und mehr Kilometer unterwegs waren, um in die Burgstadt zu kommen. "Das spricht für das, was es in Ranis gibt und was hier noch möglich ist", stellte er fest.Die Leute kommen aus Kaliningrad hierher, das muss man sich mal vorstellen Dr. Martin Straub, Geschäftsführer Lese-Zeichen e. V.