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01.04.2011

Kulturrat aus 8 Thüringer Kulturvereine in Erfurt gegründet

von Karsten Jauch Ostthüringer Zeitung

Mit einem Festakt wurde am Donnerstag in Erfurt der Kulturrat Thüringen ins Leben gerufen. Konfliktreich entwickeln dürfte sich in den nächsten Wochen zunächst das Verhältnis zum Kulturtourismus-Konzept aus dem Hause von Thüringens Wirtschaftsminister Machnig, das gestern scharf angegriffen wurde. Erfurt. Es war eine maritime Sprache, die am Donnerstag die Gründungsversammlungen im "Haus Dacheröden" prägte. Zum zweiten Mal nach Nordrhein-Westfalen entstand auf Länderebene ein Kulturrat. In Thüringen ist er erfüllt von acht Verbänden, die ihrerseits fortbestehen werden. Welches Fernziel der Kulturrat haben soll, darüber informierte der Weimarer Bildhauer und Fotograf Prof. Klaus Nerlich, der bisher als Chef des Landesverbandes Bildender Künstler in Erscheinung getreten war und nun das Präsidentenamt übernahm. Bis zum Sommer 2011 erwarte er von der Thüringer Landesregierung Antworten zur Entwicklung und Finanzierung der Kulturlandschaft. Die Konzeption zum Kulturtourismus, die vor einem Monat von Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) vorgestellt wurde, nannte Prof. Nerlich gestern jedenfalls "zu kurz gedacht". Die von Machnig beschworene Abkehr vom angeblichen Billig-Urlaubsland zu mehr Hochkultur grenze weite Bereiche aus. "Wir brauchen einen zeitgemäßen Kulturbegriff", hielt Nerlich dagegen, "der sich nicht aus Sportbegriffen wie Hochkultur und Breitenkultur bedient". Die kulturellen Leuchttürme müssten vielmehr mit Schiffsverkehr verbunden sein. Was nütze zum Beispiel die beste Bibliothek, wenn sie für viele Nutzer nicht erreichbar ist. "Kultur ist kein Konsumgut, sondern eine Investitionspflicht", schlussfolgerte Nerlich. Kunst dürfe nicht pauschal als Subvention gebrandmarkt werden. <a href='http://ad.de.doubleclick.net/click%3Bh%3Dv8/3adc/3/0/%2a/b%3B238871165%3B0-0%3B0%3B35472907%3B4307-300/250%3B35468611/35486429/1%3B%3B%7Eaopt%3D2/1/8e/0%3B%7Esscs%3D%3fhttp://cas.criteo.com/delivery/ck.php?n=a9340ec0&cb=745703' target='_blank'><img src='http://cas.criteo.com/delivery/avw.php?zoneid=4457&cb=745703&n=a9340ec0&ct0=http://ad.de.doubleclick.net/click%3Bh%3Dv8/3adc/3/0/%2a/b%3B238871165%3B0-0%3B0%3B35472907%3B4307-300/250%3B35468611/35486429/1%3B%3B%7Eaopt%3D2/1/8e/0%3B%7Esscs%3D%3f' border='0' alt='' /></a> Auch Kulturminister Christoph Matschie (SPD) ließ in seiner Rede die Anker werfen und grattulierte zur Gründung. Thematisch ging er dem gestrigen Ansatz "Guter Rat ist teuer?"aus dem Weg. Denn debattiert werden müsse aus seiner Sicht nicht mehr darüber, "was können wir uns noch leisten", sondern welch Rolle die Kultur spielt. Anfang Juli soll dazu auf dem 2. Thüringer Kulturforum das Leitbild fortgeschrieben werden. Die Arbeitsgruppen seien bereits auf dem Weg. Natürlich kam der Minister da an Weimar nicht vorbei, auch wenn er kein Wort zur aktuellen Kandidatenfrage für die Klassikstiftung verlor. Einbinden will er den Kulturrat zumindest bei der Diskussion um die Thüringer Theater und Orchester und stellte den Anspruch auf: "Ich will keine neue Standort-Debatte". Allerdings könne man auch nicht "an jeder Stelle gleich viel tun", ergänzte er. Die anwesenden Intendanten aus Erfurt und Weimar lächelten still. Denn "selbstredend wird es auch Einzelgespräche mit den Verbänden geben", kündigte Christoph Matschie gestern an. Max Fuchs, Vorsitzender des Deutschen Kulturrates, verteidigte in seinem Referat das Thüringer Kultur-Leitbild, das keineswegs nur "Wohlfühlprosa" sei. Auch er erinnerte daran, genau die Kriterien für kulturelle Vielfalt zu definieren. Das Schlüsselproblem in der Kulturpolitik bleibe aber die Teilhabe. Und auch Max Fuchs sah darin in erster Linie die Erreichbarkeit - und dann erst den Preis.