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12.08.2009

Kleines Land - große Mauer

von Frank Quilitzsch TLZ

Erfurt. (tlz) Ein hochkarätiges Programm bietet die Landeszentrale für politische Bildung im zweiten Halbjahr ihrer Reihe "Das politische Buch im Gespräch": Im Mittelpunkt der Autorenlesungen an Thüringer Schulen, in Jugendzentren, Bibliotheken und anderen Begegnungsstätten sowie Bildungseinrichtungen stehen im 20. Jahr der Grenzöffnung und des Mauerfalls DDR-Geschichte und Wendeereignisse. Dabei ist das Spektrum des Erinnerns und mahnenden Gedenkens relativ breit gestreut.
Ehrhart Neubert, Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs, stellt seinen aus persönlicher Sicht verfassten Band "Unsere Revolution. Die Geschichte der Jahre 1989/90" vor. Der Historiker Jens Schöne dokumentiert dieselbe Zeit in "Die friedliche Revolution - Der Weg zur deutschen Einheit". Aus Opfersicht schildern Eva-Maria Neumann ("Sie nahmen mir nicht nur die Freiheit") und Uwe Jens Jürgensen ("Erst verraten - dann verkauft. Im Netz der Stasi") ihre Erfahrungen mit der Diktatur. Susanne Schädlich, die in Jena geborene Tochter des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich, erzählt in "Immer wieder Dezember", wie sie in zwei Systemen aufgewachsen ist, Steffen Lüddemann, wie junge Männer in der DDR zur Stalinzeit einen geheimen Radiosender basteln. Silke Satjukow widmet sich unter der Frage "Befreiung" den Ostdeutschen im Jahr 1945 und Matthias Rogg dem politischen Wesen der Nationalen Volksarmee.

Auf Spurensuche zwischen biografischen und gesellschaftlichen Ereignissen begeben sich die Schriftstellerin Claudia Rusch in ihrem Buch "Aufbau Ost" und der Publizist Christoph Dieckmann mit der Chronik seiner Deutschlandreise "Mich wundert, dass ich so fröhlich bin". Jutta Voigt widmet sich auf heitere Weise dem Phänomen "Westbesuch", Anne Hahn dem Punk in Thüringen. David Ensikat versucht mit "Kleines Land, große Mauer", für jene, die die DDR nur aus dem Geschichtsbuch kennen, das Leben im Arbeiter- und Bauernstaat anschaulich zu machen, und Peter Pragal, langjähriger Westkorrespondent in Ostberlin, gibt in "Der geduldete Klassenfeind" seine Außensicht hinzu.

Man musste kein Held sein, um in der DDR zumindest passiven Widerstand zu leisten, so die These des Publizisten Roman Grafe, der zwei neue Bücher vorgelegt hat: Der von ihm herausgegebene Band "Die Schuld der Mitläufer" vereint Texte von zwölf bekannten Autoren mit Erinnerungen von Zeitzeugen. Prominente Beiträger sind u. a. Wolf Biermann, Erich Loest, Stephan Kraftzcyk und Lutz Rathenow. In "Die Wandzeitung" schreibt Grafe über einen Hilfspfleger, der 1980 wegen einer Agitationswandzeitung im Altersheim zu 545 Tagen Gefängnis verurteilt wurde.