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05.10.2006

Klaus hat Fieber, Paul hat Glück

von Constanze Alt Ostthüringer Zeitung

Kinski-Gedichte und Plenzdorfs Roman zum zwölften Jenaer Lesemarathon

Von Constanze Alt "Ich weiß nicht wer ich bin und wer ich war - ein Fremder vor mir selbst - und neu für mich", heißt es in einem von Klaus Kinskis "Fieber"-Gedichten.
Am 18. Oktober dieses Jahres wäre der Nosferatu der Leinwand achtzig Jahre alt geworden. Ben Becker, des despotischen Exzentrikers größter Nachlasspfleger, verneigt sich im Rahmen des diesjährigen Jenaer Lesemarathons zu nachträglichen Gratulationen. Die zwölfte der zwölf Veranstaltungen des zwölften Lesemarathons fällt übrigens auf den zwölften November - dem 72. Geburtstag des zur Kultfigur avancierten Serienmörders Charles Manson...

Von Wahnsinn und Leidenschaft kündet Becker unter den musikalischen Temperaturschwankungen seiner "Zero Tolerance Band" stellvertretend aus dem "Tagebuch eines Aussätzigen". Kinskis fünfzig Jahre alte Sinnfragen stellen sich aus dem Munde Ben Beckers, dessen sechsjähriges Töchterchen übrigens wie Adams erste Frau auf den Namen Lilith hört. Und das ist nur ein Beispiel für Beckers provokatives Wesen.

Ungeachtet der Tatsache, dass jene krönende Ziellinie ihre Schatten vorauswirft, sitzen weitere beachtliche literarische Leichtathleten in Position. Eine Synästhesie der Künste ist Startschussgeberin des Lesemarathons 2006. Mit Gisela Kraft, Wolfgang Haak, Landolf Scherzer, Ullrich Panndorf, Walter Sachs, Mario Wiegand und Mari Yoshi haben sich Künstler verschiedener Sparten an das Projekt "SteinStimmen" gemacht, dessen Resultat in Form einer Ausstellung in der Ernst-Abbe-Bücherei zu sehen ist. Die Vernissage am 1. November markiert auch den Anfang des Marathons.

Neben Ben Becker ist auch Winfried Glatzeder ein Hinhörer. Er verkündet die "Legende vom Glück ohne Ende". Wer könnte schon ein besserer Paul sein als der Paul? Der "Paul-und-Paula"-Paul eben. Den hat Glatzeder in der 1973 abgedrehten DEFA-Produktion nämlich begnadet dargestellt.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch Ulrich Plenzdorfs, dessen Fortsetzung "Die Legende vom Glück ohne Ende" weniger populär ist. Gleichwohl ist diese Plenzdorf-Prosa Titelgeberin des Diskussionsbändchens "Glück ohne Ende". In Herausgeberschaft Carl Hegemanns erschien das Diskussionsbändchen im Nachgang der Uraufführung von Frank Castorfs "Elementarteilchen"-Inszenierung nach Texten von Michel Houellebecq am 30. November 2000 in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin.

Glatzeder, der 1982 die DDR verließ, wurde in der BRD unter anderem in der Rolle des "Tatort"-Komissars Ernst Roiter bekannt, aber auch als Mitwirkender bei "Liebling Kreuzberg" und "Der Alte" sowie in Leander Haußmanns Film "Sonnenallee".

Einen Blick zurück in das Herkunftsland seiner Eltern - die Türkei - wirft Feridun Zaimoglu mit seinem Roman "Leyla". Er erzählt die Geschichte einer Familie, die sich zur Gastarbeit nach Deutschland aufmacht - und daran zerbricht. Intereuropäisch geprägt ist "König Jacques. Chiracs Frankreich", aus der Feder des langjährigen Paris-Korrespondenten Heiko Engelkes. Das Buch will einen Einblick geben in die von Chirac benutzten Machtstrukturen und Behauptungsstrategien im Kampf ums Staatspräsidenten-Dasein.Der Lesemarathon 2006Mi., 1. Nov. , 19.30 Uhr, Abbe-Bücherei; Do., 2. Nov., 19.30 Uhr, Abbe-Bücherei; Fr., 3. Nov., 19.30 Uhr, Uni-Hauptgebäude, HS 24; Sa., 4. Nov., 19.30 Uhr, Abbe-Bücherei; So., 5. Nov., 19.30 Uhr, Ernst-Abbe-Bücherei; Mo., 6. Nov., 20 Uhr, Volkshaus; Di., 7. Nov., 19.30 Uhr, Abbe-Bücherei; Clemens Meyer: Mi., 8. Nov., 19.30 Uhr, Volkshaus Do., 9. Nov., 19.30 Uhr, Abbe-Bücherei; Fr., 10. Nov., 19.30 Uhr, Abbe-Bücherei; Sa., 11. Nov., 19.30 Uhr, Abbe-Bücherei; So., 12. Nov., 20 Uhr, Volkshaus