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15.09.2009

Klassische Reime in modernem Gewand

von Marcel Hilbert Ostthüringer Zeitung

Das etwas andere Friedrich-Schiller-Seminar mit Rapper "Doppel-U"

Von Marcel Hilbert Greiz. "Gebt mir ein ´Ohoo´! Gebt mir ein ´Yeah´! Und jetzt gebt mir ein ´Tochter aus Elysium´!". Deutschunterricht, der so garantiert nicht auf dem Lehrplan steht, gab gestern der Jenaer Hip Hopper Christian Weirich alias Doppel-U seiner "Schulklasse", bestehend aus etwa 400 Kindern im großen Theatersaal.

Passend zum Jubiläumsjahr des Dichters Friedrich Schiller gab Weirich Nachhilfe in beidem, Rap-Musik und klassischer Lyrik. Im Duett mit dem Publikum studierte er im Schiller-Rap-Workshop die bekannte "Ode an die Freude" ein. Zu Beginn gab es einige Kostproben aus dem Repertoire des Jenaers, sowohl klassische Texte in modernem Gewand als auch Eigenkompositionen. Danach gab es die für jeden den Text des bekannten Gedichtes, das laut Christian Weirich, nur die wenigsten Menschen je komplett gelesen haben: "Viele kennen nur die Teile, die später von Beethoven in seine neunten Sinfonie übernommen wurden. Ihr gehört ab heute zu denen, die den gesamten Text kennen."

Warum es ziemlich nahe liegt, Gedichte zu rappen, erklärte Doppel-U den Workshop-Teilnehmern wie folgt: "Rap und Gedichte haben einiges gemeinsam: Zu aller erst Reime, dann aber auch die Betonung, der Rhythmus, und zuletzt Gefühl."

Selbst Bürgermeister Gerd Grüner ließ es sich nicht nehmen, bei der großen Rasselbande im Theatersaal einmal vorbei zu schauen und allen Gästen viel Spaß zu wünschen. Diesen hatten die Kinder, aber auch alle anderen Anwesenden, was man durch viele Lacher und tosenden Applaus für Christian Weirich zu jeder Minute spürte. Am Ende seines Sprechgesang-Unterrichtes gab es noch eine knappe halbe Stunde Doppel-U als Konzert auf die Ohren.

Die Idee hinter Weirichs Projekt "Rap macht Schule" sei es, den Kindern und Jugendlichen einen anderen Zugang zu Literatur zu verschaffen. Dazu werde ein Song eingeübt, der dann mit denen die wollen, auf der Bühne live dargeboten wird. "Ich hoffe, es haben da auch ein paar Kiddies Bock drauf", meint der Rapper. Vor allem freut er sich darüber, wieder einmal in seiner Heimat Thüringen unterwegs zu sein, nach dem er bereits viele Länder auf der ganzen Welt bereiste, um dort deutsches Kulturgut zu vermitteln. Denn der international erfolgreiche Rapper besuchte zum Beispiel die Ukraine, Uganda und die Schweiz, um im Rahmen des Faches "Deutsch als Fremdsprache" die Gedichte Goethes und Schillers in der Originalsprache mit den Schülern und Studenten auf seine eigene Art und Weise zu lernen.

Die Veranstaltungsreihe "Wortklang", zu der die Schiller-Rap-Veranstaltung gehört, wird bereits seit vier Jahren auch in Greiz veranstaltet. Gefördert durch die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Sparkasse Gera-Greiz und organisiert von der Greizer Bibliothek und dem Thüringer "Lese-Zeichen" e.V. wurde der "Wort-Klang"-Tag erstmals in das Programm des Theaterherbstes übernommen. Stefan Neugebauer, Leiter des Theaterherbstes, erklärt dazu: "Wir hatten schon länger die Idee, die Zusammenarbeit mit der Bibliothek zu intensivieren. Das ist unser erstes gemeinsames Projekt."Auch Corina Gutmann, die Bibliothekschefin, ist über die Zusammenarbeit begeistert: "Es ergibt sich so eine gute Synergie , da im Theater sowohl Technik als auch Räumlichkeiten gegeben sind.""Die Idee hinter Wortklang ist es, etwas für die Lyrik und gegen die Angst vor Gedichten zu unternehmen", beschreibt Dr. Martin Straub von der Sparkassen-Kulturstiftung die Intention hinter der Veranstaltungsreihe. Man wolle auch den Jüngsten den Facettenreichtum der Lyrik näher bringen.

Ein weiterer Programmpunkt des Schiller-Thementages erwartete die Besucher des Theaters am Abend, als Martin Stiebert die verschiedensten Parodien auf Schiller, aber auch einige Originaltexte von ihm in seiner Lesung "Ehret die Frauen! Sie stricken die Strümpfe!" zum Besten gab.