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20.02.2009

Kindheits- Prägungen

von wohi TLZ

Kindheits-Prägungen
Erfurt. (tlz/wohi) Der aus Gera stammende Autor Lutz Seiler ist zum ersten Empfänger des mit insgesamt 12 000 Euro dotierten Harald-Gerlach-Literaturstipendiums erkoren worden. Das teilte gestern das Kultusministerium mit. Seiler, der 2007 mit dem Prosatext "Turksib" den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb Klagenfurt gewann, werde damit die Arbeit an einem neuen Erzählungsband "Der Kapuzenkuß" ermöglicht.

Die Einrichtung des neuen Stipendium war von dem Schriftsteller Ingo Schulze und der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. angeregt worden. Schulze, Empfänger des Thüringer Literaturpreises 2007, hatte sich darüber entrüstet, dass der Freistaat diesen Preis nicht aus eigener Kraft stifte, sondern durch das Energieunternehmen e.on als Sponsor dotieren lasse. So stiftete er seine 6000 Euro Preisgeld, damit sie der Förderung thüringischer Literatur zugute kämen. Ein Drittel der Summe fließt nun in das Harald-Gerlach-Stipendium ein, das Kultusminister Müller um 10 000 Euro aufstockte.

Eine Fachjury wählte Lutz Seiler aus 24 Vorschlägen aus und begründete ihre Entscheidung damit, dass der Autor, der heute im Peter-Huchel-Haus in Wilhelmshorst bei Berlin lebt, in seinem Schreiben "vielfach auf seine Erlebnisse und Erfahrungen seiner in den sechziger und siebziger Jahren in Ostthüringen verbrachten Kindheit und Jugend zurückgreift". In der Tat stiftete zum Beispiel der Wismut-Uranbergbau in Ronneburg den finster-atmosphärischen Hintergrund schon für Seilers Debütwerk, den faszinierenden Gedichtband "pech & blende" (Suhrkamp, 2000). Nun will er sich in Erzählungen den "ersten Malen" im Leben, den frühen Prägungen und Schlüsselsituationen eines Menschen zuwenden. Autobiographisches durchläuft dabei naturgemäß einen literarischen Verarbeitungs- und Verdichtungsprozess, mag jedoch unter der Oberfläche oft kenntlich hervorscheinen.

"Alles Leichte ist schwer, Lutz Seiler schreibt eine wunderbar leichte Prosa", lobte die Jury. "Durch sein poetisches Wort macht er die Schauplätze seiner ostthüringischen Herkunft zu Orten von unser aller Kindheit." Wir sind gespannt darauf.