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16.06.2003

Kindergeschichten erfreuen Erwachsene

von mko Ostthüringer Zeitung

Lesungen: Ingrid Annel, Geert Müller-Gerbes, Bärbel Klässner, Thomas Spaniel, Paul Busch

Die Autorin Ingrid Annel schreibt eigentlich für Kinder. Dass aber gute Kindergeschichten auch Erwachsenen eine Freude machen können, zeigte sich am Samstag bei ihrer Lesung zu den Thüringer Literatur- und Autorentagen auf Burg Ranis. Zehn Kinder waren es am Ende, die der Erzählerin aus Erfurt für ihren dreiviertelstündigen Vortrag Beifall spendeten - mehr als doppelt so hoch war jedoch die Zahl der zufriedenen erwachsenen Hörer. "Ist es nicht faszinierend, dass ein paar Buchstaben ausreichen, um ganze Bücher zu füllen?" fragte Ingrid Annel ihre Gäste. Wichtig ist natürlich auch die Mischung, und wie angenehm bunt die Mutter dreier Kinder Buchstaben mischen, wie gekonnt sie mit Sprache jonglieren kann, zeigte sie in ihrer lustigen "53. Buchstabennudelsuppengeschichte" und in "Antonios Reise", einem spannenden Bericht, der demnächst zwischen den Deckeln des Buches "Ein Kind, zwei Zwerge, drei Hühner" nachgelesen werden kann.

Ein bereits erschienenes bzw. mehrfach aufgelegtes Kinderbuch stellte auf der Burg Geert Müller-Gerbes vor. Der bekannte TV-Moderator, vierfacher Vater sowie zweifacher und bald dreifacher Großvater - alle Nachkommen sind Jungs ! -, setzte schon in seiner Vorrede der Großelternschaft ein Denkmal. Höher schlugen dann die Herzen der anwesenden Omas und und vor allem Opas, als er zwei Episoden aus seinem fantasiereichen Band "Opa, wer hat den Mond geklaut?" vorlas. Mit seiner aus "Wie bitte?!" bekannten ausdrucksstarken Stimme trug er die Geschichte eines sanften und geduldigen Opas vor, der auf alle Fragen, die Enkel so haben ("Opa, wie kommt der Mond eigentlich in den Himmel? Ist er auch gestorben?" oder "Opa, wo läuft die Zeit hin, wenn sie wegläuft?"), immer eine ganz persönliche, herrliche Antwort parat hat. "Das Schönste, was man machen kann, ist Kindern vorzulesen", gab Geert Müller-Gerbes den Eltern und Großeltern mit auf den Weg - aber auch die Kinder bat er, ihren Eltern und Großeltern mal vorzulesen.

Dass auch Lyrik von Autoren, die noch nicht so bekannt sind wie etwa Literaturtage-Star Reiner Kunze, ein angemessen großes Publikum findet, zeigte auf der Burg die Doppellesung der Thüringer Bärbel Klässner und Thomas Spaniel. Während Bärbel Klässner vor allem innere Seelenzustände protokollierte und quasi um Verständnis bittend ihr Wesen preisgab, registrierte Thomas Spaniel beispielsweise widersprüchliche öffentliche Situationen und ging mit ihnen ohne Umwege ins Gericht. Die beiden Autoren lasen im Wechsel, was bei ihren unterschiedlichen lyrischen Stimmen der Lesung einen zusätzlichen Reiz gab. Gegen Ende der Lesung sprühte es vom dunkel gewordenen Himmel; die Nässe in Kauf nehmend, warteten die 40 Hörer jedoch den Ausklang des letzten Wortes ab - was auch für die Texte von Bärbel Klässner und Thomas Spaniel sprechen dürfte.

Den Nachmittag rundete - wegen des Schauers im Roten Salon der Burg - Zirkusdirektor Paul Busch ab, der sein Publikum mit Berichten aus seinem abenteuerlichen Leben unterhielt.