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05.07.2013

Kinder gestalten einen Schiller-Stadtplan für Jena

von Lioba Knipping TLZ

Auf Schillers Spuren spazieren gehen: Das ist jetzt mit dem von Kindern erarbeiteten Stadtplan, den Jördis Kemnitz (links) und Nancy Hünger vom Lese-Zeichen-Verein zeigen.

 

Der Lese-Zeichen-Verein Jena will mit seinem Projekt "Wir schillern! Friedrich, einer wie du und ich?" Kindern den deutschen Dichter näher bringen. So haben Kinder einen Stadtplan mitgestaltet und so einiges Wissenswertes über Friedrich Schiller gelernt.

Wer war eigentlich dieser Schiller? Was war das für ein Typ? Was hat der gemacht? Wo hat er gelebt?

Mit diesen und anderen Fragen haben sich Schülerinnen und Schüler der Klassen 4b und 4d der Jenaer Westschule beschäftigt. Ein halbes Jahr lang waren sie in Jena auf Entdeckungstour. Unterstützung erhielten sie dabei von Christine Theml. Sie ist die "gute Seele" des Gartenhauses, in dem der Dichter und Dramatiker Friedrich Schiller in den Jahren 1797 bis 1799, jeweils von Mai bis Oktober, mit seiner Familie gelebt hat. "Schillers Gartenhaus" ist heute eine wichtige Gedenkstätte. Sie erinnert an Schiller, zeigt, wie er gelebt und gearbeitet hat.

Christine Theml weiß ungeheuer viel über Schiller, denn sie hat sich viele Jahre lang mit ihm beschäftigt. Und dieses Wissen hat sie an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben. Sie hat erzählt, wie es damals, als Schiller lebte, in Jena ausgesehen hat.

Schiller schmierte Butterstullen für seine Gäste 

Auf Schillers Spuren spazieren gehen: Das ist jetzt mit dem von Kindern erarbeiteten Stadtplan, den Jördis Kemnitz (links) und Nancy Hünger vom Lese-Zeichen-Verein zeigen.Auf Spaziergängen zu den verschiedenen Häusern, in denen Schiller lebte, hat Christine Theml berichtet, warum der Dichter so oft umgezogen ist, wie die Freundschaft mit Johann Wolfgang von Goethe entstanden ist, der damals in Weimar lebte.

Die beiden "großen deutschen Dichter", so sagt man heute, haben sich 1794 in Jena kennengelernt. Sie sind spazieren gegangen und haben sich dabei lange darüber unterhalten, wie sich Pflanzen entwickeln. Seit ein paar Jahren erinnern deshalb goldfarbene Blätter in der Fußgängerzone in Jena an diesen ersten Spaziergang der beiden.

Aber auch lustige Sachen hat Christine Theml über Schiller erzählt, zum Beispiel, dass er, wenn er Gäste hatte, denen immer Butterstullen geschmiert hat.

Die Kinder haben all diese Geschichten so toll gefunden, dass sie daraus im Rahmen eines Workshops kleine Theaterstücke gemacht haben, die sie in der Schule den Mitschülern und ihren Eltern und Großeltern gezeigt haben. Und sie haben einen Stadtplan für Kinder entworfen, den natürlich auch Erwachsene benutzen können. Auf der einen Seite kann man sehen, wo Schiller gelebt und gearbeitet hat und wie man in Jena von einem Schiller-Ort zum anderen kommt. Auf der anderen Seite haben die Schülerinnen und Schüler kleine, runde Bilder gemalt, die zeigen, wie sie sich Schiller, seine Frau Charlotte und das Treffen mit seinem Kollegen Goethe vorstellen. Es sind wunderschöne Zeichnungen.

Für den Kinderstadtplan "Schiller Spaziergang" haben der Verein "Lese-Zeichen", die "Buchkinder" Jena und die Leute, die für Schillers Gartenhaus, das der Friedrich-Schiller-Universität Jena gehört, verantwortlich sind, eng zusammengearbeitet. Unterstützt worden sind sie dabei vom Thüringer Kultusministerium - das ist das Ministerium, das sich um Schulen kümmert - und von JenaKultur.

Die Kinder haben tolle Bilder gemalt

Kaufen kann man den Stadtplan in Jena beim Verein "Lese-Zeichen", im Stadtmuseum am Markt und natürlich in Schillers Gartenhaus bei Christine Theml. Er kostet zwei Euro.

Weil der Lese-Zeichen-Verein ein Verein ist, der in ganz Thüringen so tolle Sachen macht, soll es in diesem Jahr auch in Weimar so eine Aktion geben. Denn Schiller ist 1799 von Jena nach Weimar gezogen, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1805 gelebt hat. Das Projekt heißt "Wir schillern! Friedrich, einer wie du und ich?"

Geplant ist das Projekt mit einer zweiten Schulklasse. "Lese-Zeichen" arbeitet dafür mit der Klassikstiftung Weimar zusammen. 2014 ist dann Rudolstadt an der Reihe. Dort wird sich eine fünfte Klasse mit Friedrich Schiller beschäftigen.