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26.06.2012

Iris Berben und Thomas Thieme zum Finale der Literaturtage in Ranis

von Brit Wollschläger Ostthüringer Zeitung

Die Schauspieler Iris Berben und Thomas Thieme lesen zum Abschluss der Literaturtage auf Burg Ranis sensationell humorvoll aus "Dinge, die wir vermissen werden". Foto: Brit Wollschläger

Ausklopper und Dreiecksbadehose: Die Schauspieler Iris Berben und Thomas Thieme lasen zum Abschluss der Literaturtage auf Burg Ranis sensationell humorvoll aus Dinge, die wir vermissen werden des Kulturjournalisten Frank Quilitzsch. Und dabei geriet nicht nur das Publikum völlig aus dem Häuschen.

Ranis. Es war ein wunderbares Abenteuer das Finale von Thüringens größtem Literaturfestival und der 15. Literatur- und Autorentage am Sonntagabend auf Burg Ranis. Weder Akteure die großartige Iris Berben und deren Filmpartner aus der Krimi-Serie "Rosa Roth", Thomas Thieme noch knapp 400 Zuschauer ließen sich davon beeindrucken, dass das Wetter ganz und gar nicht zu einer Buchlesung im offenen Zelt einlud.

Aber was für ein Spaß, diese Lesung. Nein, tatsächlich war es viel mehr als eine Lesung, mindestens eine Performance, wenn nicht gar Schauspiel, wurden die beiden Vortragenden von Frank Quilitzsch, dem Autor des präsentierten Buches "Dinge, die wir vermissen werden", gelobt. Sie, eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen, und er, vielen in Erinnerung als DDR-Minister in "Das Leben der Anderen", präsentierten das Buch so gutgelaunt, immer wieder herzhaft miteinander lachend und gleichermaßen sprachlich professionell, dass es eine Freude war, ihnen zwei Stunden zuzuhören.

"Dinge, die wir vermissen werden", das sind Dinge, an die sich insbesondere DDR-Bürger schmunzelnd erinnern die Schreibmaschine "Erika" zum Beispiel oder der gute alte Plattenspieler. Berben las herrlich amüsiert vor, dass die Schallplatte, weil sie immer wieder gewechselt werden musste, mehr Kinder verhütet habe als die Pille. Da war vom Teppichklopfer oder auch "Ausklopper" die Rede, von hochprozentigen Erfahrungen eines Jugendlichen in der darauf folgenden Staubsauger-Ära, vom Rechenschieber, den der Autor niemals wirklich beherrschte. 

Berben brachte die Zuschauer allesamt zum Lachen mit dem Kapitel über den Korb-Kinderwagen, der auf abenteuerliche Weise beschafft wurde. Als Thieme vorlas, in welch unpraktisch-kratzende Wollstrümpfe und Laibchen die Kinder in den 1960-ern zum Sonntagsausflug gezwängt wurden, blieb kein Auge trocken. Bald wurde über Schwarz-Weiß-Fernseher, die mühsame Einstellung der Antenne und die falsche Nationalhymne herzlich gelacht. Erinnerungen an Poesiealben amüsierten Publikum und Künstler gleichermaßen denn die Gäste konnten viele der vorgelesenen poetischen Kostbarkeiten noch auswendig mitsprechen. Insgesamt erinnert das absolut lesenswerte Buch an 45 Dinge, die wir vermissen.

"Richtig gut", lobte Thomas Eppelin aus Jena die Veranstaltung. Petra Hinreiner ausLangenorla, die vorher nicht ahnte, dass es eine so lustige Lesung werden könnte, fand den Abend "super".

Auch die musikalische Umrahmung durch Bernhard "Kani" Kanhold, ein Weimarer Urgestein der Live-Musik, den sie noch aus Studienzeiten kannte, gefiel sehr gut.Die beiden Fernsehgrößen krönten den Abend mit zwei sensationellen Zugaben. Iris Berben erinnerte humorvoll an das "Zeitkino" und die unvergessliche "kleine weiße Friedenstaube" so temperamentvoll, dass ein halbvolles Glas Rotwein auf dem Tisch ihrer schwungvollen Gestik nicht standhalten konnte und wirkungsvoll umfiel. 

Thomas Thieme hatte noch die "Dreiecksbadehose" parat der Brüller.Frank Quilitzsch bedankte sich bei den Filmstars für die großartige Vorstellung seines Werkes. Bevor sie zu dritt noch bis nach 23 Uhr geduldig Autogrammwünsche erfüllten.