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21.06.2002

In der Mühle der DDR-Kulturmaschinerieur

von Ulrike Michael Ostthüringer Zeitung

Frank Beyer, am 26. Mai 70 Jahre alt geworden, ist einer der bedeutendsten deutschen Kino- und Filmregisseure. Mit Filmen wie "Spur der Steine" (1966), "Jakob der Lügner" (1974) und "Nackt unter Wölfen" (1963) machte er sich einen Namen, der aus der Filmwelt nicht mehr wegzudenken ist.

Sein Leben und seine Filme hat er in der Autobiografie "Wenn der Wind sich dreht" beschrieben, aus der er heute Abend, 19. 30 Uhr auf Burg Ranis lesen wird.

Auf 416 Seiten gibt er Einblicke in die Machstrukturen der DEFA, in die Hindernisse, die so mancher Dreh mit sich brachte und die Zusammenarbeit mit Schauspielgrößen wie Manfred Krug und Armin Mueller-Stahl. Einen dramatischen und teilweise komischen, von Zufällen und Schicksalsschlägen geprägten Weg zeigt der Regisseur auf. Eine Vielzahl aufschlussreicher Dokumente aus den Mechanismen des DDR-Kulturbetriebs vervollständigen seine Erinnerungen.

Beyers Interesse an Filmen wird durch Zufall geweckt. In Altenburg plündern Einheimische nach Kriegsende die Kaserne. Frank Beyer macht dabei außergewöhnliche Beute. "In einem Regal entdeckte ich einen Schmalfilmprojektor vom Typ Bauer-Pantalux sowie eine Filmbüchse mit der Aufschrift ´Hochzeit am Tegernsee´. Für einen dreizehnjährigen Dorfjungen im Jahre 1945 war der Besitz einer Schreibmaschine und eines Schmalfilmprojektors ein so unerreichbarer Traum, wie sagen wir, für einen Gleichaltrigen heute der Besitz eines Sportwagens."

Er machte die Schmalfilmvorführerausbildung und studierte nach seinem Abitur in Prag an der Filmhochschule. Durch Zufall fing er an, Brecht zu lesen und sich für Filmkunst zu interessieren. Die ersten Filme Beyers entstanden und er begab sich auf eine Gratwanderung zwischen politisch Zulässigem und dem eigenen Anspruch an Innovation.

Doch es gab nicht nur Höhepunkte in Beyers Leben, sondern auch herbe Niederlagen. Der Verbot von "Spur der Steine" beispielsweise - ein abgekarteter Boykott: In jedem Bezirkskino wurden Zwischenrufer eingesetzt, die den Film niederbrüllten.