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14.03.2007

Im kleinen Altenburg eingesickert

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Autor Ingo Schulze erhält Thüringer Literaturpreis

Von OTZ-Redakteurin Ulrike Merkel Ingo Schulzes Geschichten hangeln sich oft entlang seiner eigenen Biografie.
Die Bücher "Simple Storys" und "Neue Leben" sind in Altenburg angesiedelt. Dort lebte Schulze nach seinem Philologie-Studium in Jena von 1988 bis 1992. Er arbeitete in Altenburg zunächst als Dramaturg, später als Zeitungsredakteur. "Ich war in ganz wichtigen Jahren in dieser Kleinstadt", sagte Ingo Schulze 2006 im Sender "Radio Bremen". Er werde nie wieder in eine Stadt so "einsickern" können.

Schulzes Regionalbezüge haben die Literarische Gesellschaft Thüringen bewogen, dem 44-jährigen Autoren den Thüringer Literaturpreis zu verleihen. Am 4. November wird der mit 6000 Euro dotierte Preis zum zweiten Mal überreicht, im Weimarer Schloss Belvedere. Im Jahr 2005 konnte Schriftstellerin und Herausgeberin Sigrid Damm die vom Energieversorger E.ON Thüringen gestiftete Auszeichnung entgegennehmen.

"Schulze ist ein begnadeter Erzähler", begründet Jury-Mitglied Dr. Martin Straub die Entscheidung. "Seine Bücher sind formal und sprachlich von einer hohen Qualität." Aus ihnen spreche stets ein "waches Zeitverständnis" für die ostdeutsche Provinz. Selbst in seinem aktuellen, für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Werk "Handy - Dreizehn Geschichten in alter Manier" schimmern Thüringenbezüge noch durch, und dass obwohl der in Dresden geborene Autor seit 1993 in Berlin lebt.

Dass Schulzes Geschichten in der thüringischen Provinz spielen, hat seinem Erfolg keinen Abbruch getan. Inzwischen sind seine Bücher in 24 Sprachen übersetzt. Das renommierte US-Magazin "New Yorker" wählte ihn 1998 sogar unter die "Six Best European Novelists", die sechs besten europäischen Autoren.

Wer Ingo Schulze erleben will, hat dazu am Samstag, dem 24. März, in Altenburg Gelegenheit. Im Lindenau-Museum präsentiert er um 19 Uhr seine Neuerscheinung "Handy".