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13.10.2006

Im Gedicht spiegeln sich Träume

von Udo Scheer Ostthüringer Zeitung

"Das Gedicht ´Ich hab´s im Traum gesehen´ hat mich besonders angesprochen", sagte Melanie Golle, Zehntklässlerin der Lessingschule, am Ende einer besonderen Doppelstunde in Sozialkunde. "Erstaunlich und interessant, was Günter Ullmann damals alles erlebt hat", befand auch Vanessa Jakstadt, die sich von Ullmanns Lyrik begeistert zeigte.

Der in Stadtroda lebende Publizist Udo Scheer, Kenner des politischen und literarischen Prozesses der DDR, und der Greizer Lyriker Günter Ullmann, dessen Gedichte erst nach der politischen Wende 1989 veröffentlicht werden konnten, waren am Mittwochvormittag in die Aula der Lessing-Regelschule gekommen, um vor drei zehnten Klassen "gegen das Vergessen" anzugehen und der "Verklärung in Form der so genannten Ostalgie entgegen zu wirken", wie Scheer anfangs betonte.

"Seit der Wende sind siebzehn Jahre vergangen; genug Abstand, an bestimmte Aspekte der DDR zu erinnern", so der Publizist zu den Schülern. Erinnern heißt für Scheer dabei, über einen Staat weitab von sozialer Geborgenheit, niedrigen Mieten, Singebewegung und genügend vorhandenen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen zu informieren, in dem es gleichsam Umweltverschmutzung, Mangelversorgung und Überwachungen gab. Die zahlreichen Referate, die Udo Scheer in Bildungseinrichtungen vor Jugendlichen hält, sieht der freiberufliche Schriftsteller dabei als ganz wichtigen Teil seiner Arbeit an.

In seinem vor drei Jahren erschienenen Buch "Zeitrisse" sammelte er Einwürfe, Eingriffe, Gespräche und Geschichten, darunter ein Porträt des Greizer Dichters Günter Ullmann ("Die Sonne hat vier Ecken") und grenzt sich dabei gänzlich von der derzeit rollenden "Ostalgie-Welle" ab. Günter Ullmann, der mittlerweile auf 23 veröffentlichte Bücher zurück blicken kann, weiß, dass Gedichte allein nichts ändern können, "aber sie können ausstrahlen hin auf Veränderungen", wie Ullmann ausführte. "Ich habe die Widersprüche und Ungerechtigkeiten in der DDR bewusst durchlebt, ich verfolge auch jetzt die Probleme der Welt und schreibe über die neuen Ungerechtigkeiten", so Günter Ullmann zu den Jugendlichen, die die anschließende Diskussion rege zur Beantwortung ihrer Fragen nutzten.

Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung.Seit der Wende sind siebzehn Jahre vergangen; genug Abstand, an bestimmte Aspekte der DDR zu erinnern.