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19.06.2006

Idyllische Orte für Literatur in Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Die Burg bleibt zentraler Literaturtage-Ort - Autoren und Veranstalter mit Resonanz zufrieden

Von Mario Keim Ranis (OTZ). Versehentlich war Oliver Räumelt aus Weimar 11 Uhr als Beginn der Lesung übermittelt worden, die er gestern begleiten sollte, erzählte er. Der Musiker war an der Seite von Jörg Sauerbier, dem ersten Stadtschreiber in Ranis (1998), für den 10 Uhr angesetzten Frühschoppen im Programm vorgesehen. "Allerdings bin ich zunächst auf die Burg gelaufen", gab der Mann mit dem Akkorden einen Irrtum zu. Auch der Veranstaltungsort des Frühschoppens war kurzfristig verlegt worden. So fand die Lesung nicht auf dem Alten Markt, sondern im angrenzenden Altmarktstübchen statt. Zur eigenen Überraschung stellten die anwesenden Gäste fest, welch idyllischer Hof sich doch hinter dem Haus mit Gaststätte verbirgt. Familie Schubert, Inhaberin des Lokals, ist mit den Literaturtagen eng verbunden. Seit Beginn betreiben sie den Biergarten im Burghof, der aber baulichen Aktivitäten weichen musste.
"Das ist ein herrlicher Platz, der hervorragend zur Verbindung von Musik und Literatur passt", fand Ilga Herzog aus Jena. Am Samstag gestaltete sie an der Flöte den späten Abend mit ausgewählter erotischer Literatur auf der Burg mit. Zwar sei es nach 22 Uhr empfindlich kalt gewesen, so Ilga Herzog, "doch die Veranstaltung war dennoch sehr gut besucht". Einige Gäste hatten es dennoch vorgezogen, die Burg nach der Lesung mit Erhard Eppler zu verlassen. "Uns war es für Erotisches draußen ein wenig zu kalt", sagte mit einem Augenzwinkern Burkhard Hellwig. Er und seine Frau Gerda gehören nicht nur zu den treuesten Besuchern der Literaturtage. Beide waren in diesem Jahr auch Gastgeber der Veranstaltungen unter dem Motto "Offenen Türen für Literatur". Die Höfe und Räume der Familien Hellwig, Zein und Glembotzki waren würdige Orte für die Lesungen.

"Wir sind zum ersten Mal in Ranis gewesen. Einerseits wegen Hellwigs, andererseits interessiert uns Gaby Papenburg. Und es war richtig toll", sagte Adelheid Bittner aus Pößneck, die am Freitag nach Ranis gekommen war. Wie bei der Lesung mit der bekannten Sportmoderatorin, so mussten auch zum Auftakt am Freitag in der benachbarten Gaststätte Zur Schmiede zusätzliche Stühle ins Freie getragen werden.

Im Durchschnitt kamen zu den weiteren Lesungen - darunter mit Axel Brümmer und Antje Barbendererde am Samstag im Deutschen Garten - 40 bis 60 Gäste. "Ich bin sehr zufrieden mit der Resonanz", sagte Antje Babendererde nach ihrer Lesung im Garten der Raniser Gaststätte, in der auch in diesem Jahr mehrere Autoren übernachtet hatten.

"Auf die Burg wollen wir nicht verzichten", sagte ein zufriedener Dr. Martin Straub, Geschäftsführer des veranstaltenden Lese-Zeichen e. V. aus Jena. Er könne sich gut vorstellen, auch künftig Lesungen in der Raniser Altstadt anzubieten. Diese fand auch Gaby Papenburg "sehr idyllisch".

Ein paar Pannen konnten den positiven Eindruck des Wochenendes nicht trüben. So warteten gestern einige Besucher vergeblich auf dem Platz der Einheit, nachdem dort die Stadtschreiber-Wahl von 11 auf 17 Uhr verlegt worden war. Das hatte OTZ zwar in der Freitagsausgabe gemeldet, ein Hinweis an den Veranstaltungsorten wäre aber auch hilfreich gewesen. Dr. Martin Straub räumte die Pannen ein und sagte: "Wir sind lernfähig."

Die Literaturtage leben von Bewährtem. "Die Raniser hatten mich angesprochen und gefragt, ob ich wieder meinen Stand aufbauen würde", berichtete Ruth Krönis, Inhaberin eines Antiquariats in Weimar. Auch sie hofft, dass Traditionelles bestehen bleibt und wünschte sich, dass der Stadtschreiber in Zukunft möglichst wieder auf der Burg bekannt gegeben werde.