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29.09.2004

'Ich möchte, dass meine Schüler lesen möchten'

von Thomas Stridde TLZ

Jena. (tlz) Gut, zum Lesen mag man mehr oder minder immer wieder kommen. Aber übers Lesen nachdenken? Anstöße dazu gab gestern im Volkshaus die "Lesemesse", eine von Schulamt und Ernst-Abbe-Bücherei organisierte Präsentation, die vielerlei "Buch-Initiativen" hiesiger Schüler und Pädagogen zusammenfasste.

Katrin Lemke, Deutsch-Fachberaterin für Gymnasien und selbst "Anger"-Lehrerin, dachte vor ihren Kolleginnen und Kollegen laut darüber nach, wie das denn mit dem Vorlesen sei: Das Einander-Zuwenden der Generationen - also vorlesen, bis die Kinder 12, 13, 14 sind? Oder solle man es mit Astrid Lindgren halten, die empfahl, das Kind mit seinem Buch allein zu lassen?

Nicht die Häufigkeit

Falsch, so sagte Katrin Lemke, liege man gewiss nicht mit diesem Schluss: Je schneller ein Kind aus gedruckten Buchstaben eine eigene Phantasiewelt aufzubauen vermag, desto nachhaltiger werde es zum Leser. Auch garantiere wohl nicht allein die Häufigkeit des Abtauchens im Buche den guten Leser von morgen. Wichtig sei auch das Interesse der Elternhäuser am Lesen, am Lesestoff. "Das überträgt sich aufs Kind."

Wie jedoch könne denn nun der Lehrer bei seinen Schülern die Lese-Begeisterung auslösen? Reicht das, was Katrin Lemke aus Cornelia Funkes "Tintenherz" zitierte: "Bücher sind wie Fliegenpapier. Erinnerungen haften an nichts so gut wie an bedruckten Seiten."? - Auch eine Haltungsfrage, wie Katrin Lemke zu verstehen gab. "Ich möchte, dass meine Schüler lesen möchten." Jedes Buch habe "Widerstands- und Impulspotenzial", sagte die Fachberaterin. "Lassen Sie zu zu sagen, das und das hat mir gut gefallen und das nicht." Man müsse die Schüler fragen, etwa was neu ist an dem, "was das Buch gesendet hat". Lesen im Unterricht sei noch zu sehr Mittel zum Zweck.