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22.10.2010

Hofnärrlein mit Holzbein

von Annerose Kirchner Ostthüringer Zeitung

Nach Freitag um eins macht jeder seins. Für Matthias Biskupek heißt das: Heute ab 13 Uhr wird im Schillerhaus gefeiert, denn der Rudolstädter Schriftsteller wird 60. 2000 fragten sich nicht nur seine Leser ungläubig, was, der Matthias wird 50? Im Nu waren die zehn Jahre rum. Inzwischen hat er, Sternbild Waage nahe am Skorpion, sein nachdenklichaufmüpfiges Tagesgeschäft weitergeführt und bis heute 30 Bücher veröffentlicht. Dazu unzählige bibliophile Pressendrucke, Essays und Rundfunkfeatures. Matthias Biskupek ist der bissige Spötter geblieben, dessen spitzer Feder nichts entgeht. „Kaiser von China/ Will ich nicht sein. / Höchstens Hofnärrlein. / Mit Holzbein. // Sägemehl draus klopfen. Kaiser ausstopfen“, outet er sich 1975 im Gedicht „Kaiser & ich“. „Ich erzähle, was passiert ist und schaue natürlich immer zurück auf das, was ich erlebt habe. Wenn man 60 ist, hat man einfach mehr zu erzählen.“ Und: „Ich habe über das, worüber ich schreiben wollte, auch geschrieben.“Das klingt nach Resümee, obwohl sich Matthias Biskupek da nicht festlegt. Er sieht sich nicht als Satiriker, sondern als Humorist. „Wenn man pointiert, prägnant und zugespitzt schreibt, wird man immer gleich als Satiriker abgetan.“ Auch er macht die Erfahrung, dass im Alter die Zahl der Freunde abnimmt. Hat er auch Feinde? „Mehr als genug. Das merke ich immer, wenn ein Leserbrief kommt, auch im Netz, wenn sich Leute fürchterlich darüber aufregen, was ich mal vor 20 Jahren Boshaftes geschrieben oder gesagt habe. Manche Freunde sind auch keine Freunde mehr, weil sie meine Kritik nicht vertragen haben.“ Sein Lebensweg ? vom Systemanalytiker zum Kabarettisten, Regieassistent, Dramaturg und Schriftsteller ? gleicht einer langen Geschichte mit glücklichen Ausgang. Spannend bleibt die Herkunft: mütterlicherseits sächsisch (Leipzig), mit Vorfahren in Oberfranken und im sächsischen Vogtland, väterlicherseits oberschlesisch mit polnischen Wurzeln. Biskupek, was auf polnisch so viel bedeutet wie „kleiner Bischof“, kam am 22. Oktober 1950 in Chemnitz auf die Welt, aufgewachsen ist er in Mittweida. Sein sächsisches Idiom hat er nie abgelegt, denn „Sachse bleibt man ein Leben lang“, was in Thüringen, wo Matthias Biskupek seit über 30 Jahren lebt, kein Problem ist. Biskupek, der schreibend viel Zeit im Zug verbringt, auch weil er in Berlin einen Rückzugsort gefunden, ist eine Instanz in der Literaturszene. Er radelt gern, hat ein zweites Fahrrad in Berlin, und kennt die Fahrradwege an Orla, Saale, Ilm oder Weißer Elster. Das Buch darüber hat er allerdings noch nicht geschrieben.

Nach dem Geburtstag wird Matthias Biskupek weiter Geschichten sammeln für Geschichten unter dem Titel „Der Rentnerlehrling“, 66 Lebensgeschichten, angefangen von der Geburt 1950 bis...“ Heißt es nicht sinnig „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an...