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17.06.2002

Hexenmeister und Zaubersprüche

von Ulrike Michael Ostthüringer Zeitung

Die Thüringer Literatur- und Autorentage, die am Freitagabend auf Burg Ranis eröffnet wurden, sind Tradition geworden. Zum zwölften Mal kommen (noch bis 30. Juni) Autoren aus Thüringen und der ganzen Bundesrepublik zusammen, um Einblicke in ihr Werk zu geben. Die Burg Ranis hat sich dafür schon zum fünften Mal als besondere Kulisse erwiesen.

"Hier hat sich für die Literatur in Thüringen, neben den klassischen Zentren, etwas entwickelt, was sich sehen lassen kann", freute sich Martin Straub vom Lesezeichen e.V., Mitinitiator der Veranstaltungen in Ranis, Meinigen und Suhl. 270 Lesungen fanden bisher in der Region statt.

Zum diesjährigen Auftakt wurde mit "Jazz und Lyrik" vor rund 150 Gästen eine besondere Mischung aus Literatur und Musik geboten. Róza Domazcyna, eine deutsch-sorbische Lyrikerin aus Bautzen, ging mit den Zuschauern auf Streifzug durch ihre Zaubersprüche und passte somit hervorragend zu Jazz-Gitarrist Helmut Joe Sachse. Ihm wird nämlich nachgesagt, ein Hexenmeister an der Gitarre zu sein. Bei nachgespielten Beatles-Songs ließ er gemeinsam mit Ernst Bier am Schlagzeug an diesem Ruf keinen Zweifel aufkommen - tolle Musik als Rahmen für drei ganz unterschiedliche Schriftsteller.

Róza Domazcynas Texte dagegen - keine leichte Kost. Um den tieferen Sinn von "Nichts bedeutet nichts. Nichts bedeutet niemand. Niemand bedeutet sich nichts. Nichts ist kein Nichts. Nicht ist weniger als nichts..." zu begreifen, mussten die Zuhörer schon genau ihre Ohren spitzen. Humorvoll ging es mit Günter Saalmanns (lebt in Chemnitz) Märchen und seiner literarischen Ratestunde weiter. Ein Ohrenschmaus selbst für Erwachsene, denn statt des herkömmlichen "Schneewittchens" oder "Hans im Glück" lieferte er eine neue, mit schwarzem Humor gepfefferte Fassung.

Nicht zuletzt das sächsisch-thüringische Urgestein Matthias Biskupek aus Rudolstadt. Ein hervorragender Unterhaltungskünstler, der die Zuhörer nicht nur zum Schmunzeln, sondern zum herzhaften Lachen bringen konnte: "Natürlich beneide ich Musikanten, diese Schweine, die einfach in die Welt hinaus musizieren, auch, was sag´ ich, mystifizieren. Und damit Weiber beeindrucken, diese Schweine. Was die können, kann ich schon lange nicht."