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18.11.2016

Heutzutage widerständig sein: Lange Peter-Weiss-Nacht im Theaterhaus Jena

von Michael Groß Ostthüringer Zeitung

Gudrun Lukin übergab 400 Euro für die Peter-Weiss-Nacht an die Initiatoren Dietmar Ebert (Mitte) und Martin Straub. Die Spende stammt von Landtagsabgeordneten der Linken, die ihre Diätenerhöhungen für gute Zwecke weiterreichen. Foto: Michael Groß

Was es heißt, auch heute widerständig zu bleiben: Lange Peter-Weiss-Nacht wird am 26. November im Theaterhaus Jena mit Film, Lesung, Diskussion und Musik begangen. Jena. Es war vor 30 Jahren, da hatten engagierte Kunstwissenschaftler, Germanisten, Juristen und andere an der Jenaer Universität ein damals heißes Eisen angefasst: Sie organisierten eine Konferenz zum 70. Geburtstag des Schriftstellers Peter Weiss.

Der war bekannt für sein schwieriges Verhältnis zur DDR-Führung, weil er Geschichtsaufarbeitung ohne ideologische Dogmen betrieb. Aufsehen und auch Anerkennung in der DDR erzielte Weiss in den 60er Jahren durch seine Auseindersetzung mit den Auschwitz-Prozessen im Theaterstück "Die Ermittlung".

Sein dreibändiges Werk "Ästhetik des Widerstandes", das 1983, also ein Jahr nach seinem Tod, auch in der DDR erscheinen durfte, war ein Beispiel dafür. Hier hatte Weiss auch das Renegatentum des Widerstandes gegen die Nazidiktatur auf West- und Ostseite untersucht. Deshalb wurde die 1986 von unten initiierte Konferenz öffentlich kleingehalten und gerade noch geduldet.

Nun, zum 100. Geburtstag des bedeutenden politischen Dramatikers, wollen Teilnehmer der Konferenz von damals und weitere Peter-Weiss-Fans mit einer "Langen Peter-Weiss-Nacht" an ihn erinnern. So laden sie am Samstag, 26. November 2016, zu dieser ungewöhnlichen Veranstaltung ins Theaterhaus Jena ein, Beginn ist 18 Uhr.

Eröffnet wird der bis 23.30 Uhr konzipierte Abend mit dem biografischen Film "Der Unzugehörige" des Jenaer Grimme-Preisträgers Jens-Fietje Dwars.

Im Sinne von Weiss heute widerständig sein

Der Filmautor wird zu den Teilnehmern einer Podiumsdebatte gehören, die durch die Kunsthistorikerin Verena Krieger, den Schriftsteller Ingo Schulze, den Musiker Hans-Eckardt Wenzel und den Intendanten des Rudolstädter Theaters, Steffen Mensching, bereichert und von Matias Mieth moderiert wird. Anschließend geben Hans-Eckardt Wenzel, Thommy Krawallo und Hannes Scheffler ein Konzert.

Das Motto des Abends, zu dem auch eine Lesung mit Christina Hansmann und Leander Gerdes gehört, ist der Titel des berühmten Gemäldes "Das Floss der Medusa" von Théodore Géricault – als Brücke in die Gegenwart, wo es um die an jenem Abend diskutierte Frage geht: Was bedeutet es, im Sinne von Weiss widerständig zu sein, um das heute erneut gefährdete Humane zu bewahren?

Die Peter-Weiss-Nacht wird unter anderem gefördert durch die Thüringer Staatskanzlei, den Förderverein Offener Hörfunk Jena und den Lesezeichen-Verein. Auch die "Alternative 54" von Landtagsabgeordneten der Linken unterstützt das Weiss-Projekt. Übrigens sollten sich Interessenten sputen: Über die Hälfte der Tickets ist schon weg.