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24.06.2002

'Hervorragender Feuilletonist" liest

von Oliver Will Ostthüringer Zeitung

Ranis (OTZ). "Ein hervorragender Feuilletonist, der Leben in Geschichten bringt", so kündigte Dr. Martin Straub am Sonntag den Autor Hellmuth Karasek an.

Dieser las anlässlich der Thüringer Literatur- und Autorentage auf der Burg Ranis aus seinem Roman "Betrug".

Hellmuth Karasek wirkte seit 1989 im "Literarischen Quartett" mit, wodurch er einem breiten Publikum bekannt geworden ist.

So kamen denn auch am vergangenen Sonntag rund 150 Besucher zu seiner Lesung. Dr. Martin Straub erklärte, Karasek sei "aus dem kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken", was aber nicht allein dem "Literarischen Quartett" zu verdanken sei. Er habe sich, erzählte Hellmuth Karasek zu Beginn, beim Anblick der Burg erschrocken und gedacht: "Da willst du jetzt mit deiner Großstadt-Prosa hin". Doch die Pausen-Musik von Led Zeppelin habe ihm wieder Mut gemacht, seinen Roman zur Spaßgesellschaft, die so heiße, "obwohl Spaß nicht so viel Spaß macht, wie man denkt", vorzustellen.

Der Roman spielt im modernen bürgerlichen Millieu und erzählt die Geschichte zweier Paare, die im selben Tennisclub gemischtes Doppel spielen.

Man ahnt schon, was kommt: der Gatte des einen Paares und die Ehefrau des anderen verlieben sich ineinander. Doch die Affäre ist von Anfang an durch Ängste, Eifersucht und Einbildung belastet.

Von Spaß oder gar Glück kann keine Rede sein. Hellmuth Karaseks Geschichte erinnerte immer wieder an Theodor Fontanes Familienromane und bot relativ wenig Spannung. An mehreren Stellen war sofort klar, was folgen müsste.

Und auch Phrasen wie: "Er war so rot, dass man glaubte, er würde im Dunklen glühen" zeugten, so ein Besucher, nicht gerade von Einfallsreichtum. Dazu kamen Dialoge mit eintöntigen Abfolgen von: sagte er, sagte sie, sagte er ...

Dabei ist das Sujet aus dem menschlichen Spiel von Schein und Planen eigentlich ein interessanter Stoff. Und Hellmuth Karasek hat einzelne Details auch sehr genau beobachtet.

So schildert er, wie sich die Emotionen beim Tennisspiel bis zum blanken Hass emporschaukeln oder wie sich die Gedanken im Kreise drehen und endlos wiederholen, ohne dass sich eine Lösung auftut. Ein interssanter Gedanke entspringt einem Traum der Hauptperson: alle, die miteinander schlafen, nehmen die gleiche Farbe an. Und so sind Ehemann, -frau und Liebhaber plötzlich giftgrün. Ein Albtraum!?

Und so zerbricht in Hellmuth Karaseks Roman die Liebesaffäre an Lügen und Selbstmitleid. "Spaß macht keinen Spaß auf die Dauer", heißt das Resümee der Hauptperson endlich.

Dieses hätte man aber sicher auch spannender erarbeiten können, als im "Betrug" geschehen. Dennoch waren die meisten Zuhörer zufrieden mit dem Abend und reihten sich in die lange Schlange von Autogrammjägern ein.

Und Martin Straub wußte nicht, ob er den Gästen dieser Lesung wünschen sollte, dass sie verfärbt zur nächsten Veranstaltung kommen.