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17.10.2007

Heldinnen - Stark noch im Scheitern

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) Pünktlich zum Herbstbeginn legt die Literarische Gesellschaft den neuen Jahrgang ihrer Thüringen-Anthologie "Edition Muschelkalk" vor. Band 22 bis 24 der von E.ON Thüringer Energie AG und dem Kultusministerium geförderten Reihe sind weiblich und bieten Prosa von Kathrin Groß-Striffler, Ursula Martin und Ursula Schütt. "Das schwache Geschlecht" hat die Jenaerin Ursula Martin ihren Band genannt, und das kann wohl - pars pro toto - nur provokant, wenn nicht gar polemisch gemeint sein.
Der letzte Muschelkalk-Jahrgang, 2006, war drei schreibenden Herren gewidmet. Völlig klar, dass Herausgeber Kai Agthe diesmal die Damen zu ihrem Recht kommen lassen würde, Autorinnen im "reifen" Alter zwischen 52 und 66 Jahren. Drei Mal Prosa - zwei Erzählungsbände und "zwei Geschichten über die Liebe" -, das ist der einzige Wermutstropfen: Es kommt kein anderes Genre zum Zuge. Warum keine der jungen Lyrikerinnen, mit denen Thüringen reich gesegnet ist? Eine Stimme aus der jüngeren Dichtergeneration hätte für mehr Abwechslung sorgen können. Nimmt man die drei im schlanken Reihenformat erschienenen Bände - cremefarben und milchkaffeebraun - zur Hand, werden zumindest Differenzierungen in Temperament und künstlerischer Schreibweise offenbar.

Ursula Martin berichtet, man ahnt es, von "starken Frauen", stark im Charakter und stark noch im Scheitern. Die in Gera geborene Kulturhaus- und Museumsmitarbeiterin ist zu DDR-Zeiten mit Lyrik hervorgetreten und hat 2005 einen Band mit historischen Kriminalerzählungen herausgebracht. Die Protagonistinnen ihrer Erzählungen "Das schwache Geschlecht" und "Die unsichtbare Seite des Mondes" sind historisch verbürgt, Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts an der Jenaer Universität um Gleichberechtigung im Hochschulbetrieb stritten. Martin hat in den Archiven gestöbert, ehe sie an die literarische Verarbeitung des Stoffes ging.

"Wie sich der Himmel verwandelt" ist das literarische Debüt der in Dietzhausen bei Suhl lebenden Pädagogin Ursula Schütt. Ihre Geschichten sind zumeist im Familienmilieu angesiedelt (sie hat selbst drei Kinder großgezogen), verweisen aber mit überraschenden Wendungen ins Gesellschaftliche, wobei sie mitunter die Grenzen des Alltäglichen überschreiten.

Döblin-Preisträgerin Kathrin Groß-Striffler ist die Bekannteste im Trio; sie hat sich mit Romanveröffentlichungen im Berliner Aufbau-Verlag einen Namen gemacht. In der Muschelkalk-Edition legt sie unter dem Titel "Domino" sechs Prosatexte vor, mit denen sie sich auch als Meisterin der kurzen Form erweist. Groß-Striffler ist in Würzburg geboren, hat in Frankreich und den USA studiert und zog vor einigen Jahren mit ihrem Mann und vier Kindern nach Jena. Im Mittelpunkt ihres Erzählungsbandes stehen Beziehungskonflikte junger Leute, die psychologisch feinfühlig erfasst sind und literarisch zugespitzt werden.

! Buchpräsentation: Heute, 17 Uhr, Goethe-Institut Weimar (im Haus der Frau von Stein); jeder Band, zwischen 72 und 93 Seiten, kostet 11 Euro.