Presse - Details

 
24.06.2014

Heinz Rudolf Kunze als Wortspiel-Meister auf Burg Ranis

von Brit Wollschläger Ostthüringer Zeitung

Heinz Rudolf Kunze gestaltete die Abschlusslesung der Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis. Foto: Brit Wollschläger

Abschlusslesung der Literatur- und Autorentage begeistert am Sonntagabend über 240 Gäste auf Burg Ranis. 

Ranis. Was es nun mit "Manteuffels Murmeln" - so der Titel des vor kurzem erschienenen ersten Romans des Rockmusikers und Autors Heinz Rudolf Kunze, Jahrgang 1956, - genau auf sich hat, erfuhr man nicht bei dieser ungewöhnlichen, auf besondere Weise spannenden Lesung. Auch nicht, was sich wirklich zugetragen hat an jenem ­Küchentisch. Am Anfang und am Ende war alles weiß, erfährt man von Heinz Rudolf Kunze, der eine so schöne Stimme hat, dass man ihn so gern die ganze Zeit singen hören möchte - und geplanterweise tat er das am Ende der Veranstaltung auch. Über 240 Gäste genossen die Lesung, den Gesang und das wunderbare Ambiente dieser Abschlusslesung der diesjährigen Thüringer Literatur- und Autorentage auf der Burg Ranis.

Doch zunächst las Heinz Rudolf Kunze von den zwei Männern, Manteuffel und Gruber, die gemeinsam in einem Raum im Krankenhaus liegen und keine Ahnung haben, wie sie dorthin gekommen sind. Beide ­haben eine Schusswunde.

Es folgen seitenweise Passagen aus Kunzes Debütroman, brillant vorgetragen, oft aber bleibt offen, wer da spricht. Ist er es selbst, der gereifte Künstler? Ist der Roman autobigrafisch? Wird sich die Rahmenhandlung je schließen? Wer ist ein gewisser Doktor John Lennon? Warum geht es so oft um Sex und Lust, dass mancher Gast sogar schamhaft berührt ist? Sind die satirisch-genialen Lebensphilosophien das Ergebnis von Manteuffels Formuliersucht oder ­seiner eigenen unaufhaltbaren Gedankenströme?

Teils verblüffende Doppeldeutigkeiten amüsieren die Gäste oft, ebenso die Wortkreationen, mit denen er sich über Schlager lustig macht oder über den "schlechtesten Reim der Weltgeschichte" - die deutsche Filmmusik vom ach so beliebten "Flipper", aber auch die eher undiplomatische Beschreibung seiner Heimatstadt Osnabrück.

Es wurde viel gelacht bei dieser Lesung und viel nachgedacht über das Leben.

"Mir hat es heute sehr gut gefallen", sagte der Pößnecker Gast und Musikfreund Andreas Gemeiner, der Heinz Rudolf Kunze bisher vor allem musikalisch kannte. Er lobte den Musiker und Autor als "amüsant, tiefgründig und erfrischend offen."

Und schließlich spielte Musik bei dieser Lesung eine große Rolle. Denn Heinz Rudolf Kunzewurde von dem Hamburger Musiker Jan Drees klangvoll hervorragend unterstützt.