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22.04.2009

Heinrich Böll näher gebracht

von Monika Schöler Ostthüringer Zeitung

Böll-Tage im Saale-Holzland-Kreis mit Ausstellung im Berufsschulzentrum eröffnet

Von Monika Schöler Hermsdorf. "Die verlorene Ehre der Katharina Blum"? Ah ja von Böll. Spätestens bei diesem wohl bekanntesten Titel, der auch verfilmt wurde, können viele hierzulande den westdeutschen Schriftsteller einordnen. Doch wer war Heinrich Theodor Böll (1917-1985), außer dass er Bücher schrieb wie beispielsweise auch "Haus ohne Hüter", "Ansichten eines Clowns" oder "Irisches Tagebuch" und dem 1972 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde?
Einen Einblick in sein Leben und sein Schaffen vermittelt eine Ausstellung, die am Dienstagabend im Hermsdorfer Berufsschulzentrum eröffnet wurde. Anlass sind die Heinrich-Böll-Tage, die von der Böll-Stiftung in diesem Jahr im Saale-Holzland-Kreis ausgerichtet werden. Die Böll-Tage werden von Thüringen als einzigem Bundesland seit nunmehr zehn Jahren in Folge veranstaltet, berichtete Stiftungs-Referentin Solveig Negelen.

Anhand von Fotos, Dokumenten, Zeitungsausschnitten und persönlichen Aufzeichnungen vermittelt die Ausstellung auf rund 30 Tafeln im Erdgeschoss des Berufsschulzentrums in der Rodaer Straße ein sehr persönliches, ein lebendiges Bild des Mannes, der als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit gilt. Er war aber auch ein Unangepasster, ein Unbequemer, einer der sich einmischte und der die "Demokratie nicht immer so verstand, wie wir sich verstehen würden", charakterisierte Christine Fiedler vom Aufsichtsrat der Böll-Stiftung den Dichter. Er setzte sich für Menschenrechte ein und auch sehr kritisch mit politischen Problemen seiner Heimat und Länder wie Polen oder der Sowjetunion auseinander.

Interessante Aspekte dazu vermittelte am Dienstagabend auch die Berliner Germanistin Elsbeth Zylla. Sie ist ebenfalls Mitglied der Böll-Stiftung und arbeitet derzeit an einem Editionsprojekt. Hierbei geht es um den Briefwechsel von Heinrich Böll und dem sowjetischen Schriftsteller und Dissidenten Lew Kopelew, den er auch in seinem Haus beherbergte. "Der Briefwechsel umfasst die Jahre zwischen 1962 und 1982. Ich schreibe die Kommentare dazu", erläuterte Elsbeth Zylla. Sie vermittelte den Besuchern der Ausstellung einen Eindruck von der Freundschaft zweier scheinbar gegensätzlicher Menschen. Und sie sprach den Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März dieses Jahr an. Hier lagerte ein Bestand von 140 Metern Böll-Nachlass, so unter anderem 60 000 Briefe. "Was davon am Ende erhalten ist, wissen wir noch nicht", berichtete sie, dass die Nobelpreisurkunde vor wenigen Tagen gefunden wurde.

"Eigentlich sollte Viktor Böll hier an meiner Stelle stehen", begann die Berlinerin ihre Ausführungen. Doch der Neffe von Heinrich Böll sei Ende Januar verstorben. Der 60-jährige Kölner Germanist hatte sich voll und ganz dem Werk Bölls gewidmet und er musste nicht mehr miterleben, wie das Stadtarchiv einstürzte.

Er werde sich mit HeinrichBöll jetzt intensiver auseinandersetzen, erklärte Dr. Dietmar Möller (FDP), der 1. Kreisbeigeordnete, am Ende seiner kurze Ansprache. Er appellierte vor allem an die Schulen im Landkreis, sich die Ausstellung anzusehen. Sie verbleibt jetzt etwa vier Wochen im Berufsschulzentrum Hermsdorf. Dr. Ulrich Kaufmann, Literaturwissenschaftler und Lehrer am Holzland-Gymnasium Hermsdorf, erklärte sich bereit, interessierte Schulklassen zu führen. Anmelden dafür kann man sich im Berufsschulzentrum Tel. 036601/47402 oder am Gymnasium Tel. 036601/82933.

Am Freitag, 24. April, findet die nächste Veranstaltung innerhalb der Böll-Tage statt. In der Hermsdorfer Stadtbibliothek steigt ab 20 Uhr eine Böll-Nacht unter dem Thema "Heinrich Böll und die Demokratie". Böll-Texte und -Bilder werden musikalisch umrahmt. Auch ein Mitarbeiter des Kölner Stadtarchivs hat sich angesagt. Für einen Imbiss sorgen wie schon am Dienstagabend Schüler der Berufsfachschule Hauswirtschaft des BBZ.