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05.07.2004

Heiligenstadt im Märchentaumel

von Otto Roth TLZ

Heiligenstadt. (tlz) Was lange währt, wird endlich gut: Nach einer mehrjährigen Planungs- und Vorbereitungsphase ist der Heiligenstädter Märchenpark am Vital-Park vergangene Woche endlich fertig geworden. Gestern wurde die Anlage mit dem offiziellen Titel "Märchenpark der Gebrüder Grimm" von Heiligenstadts Bürgermeister Bernd Beck übergeben. Im Gefolge hatte das Stadtoberhaupt bekannte Märchenfiguren wie Schneeweißchen und Rosenrot, Schneewittchen und die Sieben Zwerge, Frau Holle und den Gestiefelten Kater. Alle waren sie mit dem Zug von Kassel gekommen, wo dessen Bürgermeister Georg Lewandowski einen Shuttle der Erfurter Industriebahn auf den Namen "Deutsche Märchenstraße" getauft hatte. Zwischenstopp machte der Zug in Hann.-Münden und Witzenhausen, wo die Rosenfee, die Kirschkönigin und weitere Märchen- und Symbolfiguren zustiegen.

Vor dem Heiligenstädter Bahnhof standen bereits die Schützen, die am Wochenende ihr Vereinsfest feierten, in Reih und Glied, um die illustren Gäste zu begrüßen. Gemeinsam zogen dann alle durch die Stadt zum Vital-park zur lang ersehnten Eröffnung des Märchenparkes. Das Stadtoberhaupt machte auf die zahlreichen Verbindungen zwischen Kassel und Heiligenstadt aufmerksam. "Beide liegen an der Deutschen Märchenstraße, in beiden Städten waren die Gebrüder Grimm, "die in Heiligenstadt 1838 das Deutsche Wörterbuch korrigierten, das dann erst 123 Jahre später fertig gestellt wurde."

Landrat Dr. Werner Henning dankte dem Stadtoberhaupt für die gelungene Anlage, hinter der er den Bürgermeister als Initiator vermutet. "Solche Ideen kommen meistens von dir persönlich", sparte der Landrat nicht mit Komplimenten.

Mit dem Märchenpark wurde gestern Nachmittag gleichzeitig das diesjährige Thüringer Märchen- und Sagenfest eröffnet, das von Dr. Martin Straub mit ins Leben gerufen wurde. Der Geschäftsführer des Vereins "Lesezeichen" fragte, ob wir heute noch Märchen brauchen und beantwortete diese Frage mit einem klaren "Ja". Märchen bedeuteten hohe Künstlerschaft mit allgemeiner Zugänglichkeit. "Märchen führen die Generationen zusammen", rief Dr. Straub alle Eltern dazu auf, ihren Kindern einmal wieder eine Geschichte vorzulesen.

Zwölf Figuren

Weiter ging es nach der Eröffnung mit Erzählungen im Märchenschloss mit Elmar Golland, Ritter Dietrich und Eva-Maria Bollwahn. Märchen auch auf der Bühne nebenan im Vital-Park, wo eine Laienspielgruppe der Lorenz-Kellner-Schule Aschenputtel aufführte und Möhrenkönig Wolfgang I. die Märchen- und Symbolfiguren vorstellte. Ferner trugen die Eichsfelder Spatzen und das Blasorchester Silberhausen zum Gelingen bei.

Derzeit sind zwölf Märchen dargestellt. Die Figuren wurden von Mitarbeitern des Bauhofes angefertigt ebenso das Märchenhaus, das Schloss und der Turm aus dem Rapunzel herabschaut. Die Pflege des Parkes haben Mitarbeiter des Berufsbildungszentrums "Internationaler Bund" übernommen, die auch den Backofen nachbauten. Weitere Märchenbilder sollen folgen, der Bau eines kleinen Gradierwerkes ist in Vorbereitung.