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28.02.2014

Hat in der Sprache zu sich gefunden

von Martin Straub TLZ

Der dichtenden Musikwissenschaftlerin Ingeborg Stein zum 80. Geburtstag

Jena. "Nicht uns gehört die Zeit, wir gehören ihr", schreibt Ingeborg Stein in ihrem jüngsten Buch "Der große Atem". Am heutigen Freitag feiert die promovierte Musikwissenschaftlerin ihren 80. Geburtstag.

Die 1934 in Meißen Geborene studierte neben Musikwissenschaften auch Germanistik in Berlin, Jena und Leipzig und erprobte sich zunächst als Dramaturgin in Greifswald, Quedlinburg und am DNT Weimar. Später wirkte sie in der musikalischen Quellenforschung als Mitarbeiterin von Répertoire international des sources musicales. Was sie interessierte, war die Wirkungsweise von Musik. Ingeborg Stein sammelte Erfahrungen als Musiktherapeutin an der Jenaer Universitätsklinik. Mit 48 Jahren wurde sie zu diesem thematischen Feld an der Friedrich-Schiller-Universität promoviert. Danach machte sie sich erneut auf den Weg.

Sichtlich war ihr der Universitätsbetrieb zu eng. 1985 wurde sie Gründungsdirektorin der Forschungs- und Gedenkstätte im Heinrich-Schütz-Haus zu Bad Köstritz. Über Thüringen hinaus wirkten die jährlichen Schütz-Tage, die dann mit den Mitteldeutschen Heinrich-Schütz-Tagen und dem Heinrich-Schütz-Musikfest ihre Weiterung erfuhren.

Zudem erprobt sich Ingeborg Stein immer wieder auf literarischem Feld. Lyrik- und Prosabände erscheinen. Und es sei auch daran erinnert, mit welcher Mitmenschlichkeit sie sich für das künstlerische Werk von Erika John eingesetzt hat. Nun ist ihr Tiefurt ans Herz gewachsen, abseits von der "Unruhewelt". In ihrem Buch "Der große Atem" (Quartus Miniaturen, Band 2) schreibt sie: "Meiner zeitlichen Gebundenheit mag zuzuschreiben sein, dass ich das Paradies mit dessen Vorhöfen verwechselte, aber das ist unerheblich angesichts der Fülle aller Schön- und Besonderheiten, die mich erwarteten."

Ingeborg Steins Sprache strahlt eine große Ruhe aus. Hier hat sie wohl all das gefunden, wonach sie sich gesehnt hat, nach einer Ruhe in der schönen Natur, wohl wissend, was da noch an scharfen Konflikten und Schmerzen, was für "Narben der Erinnerung" in der Welt sind. Das alles wird sie weiter beschäftigen. Mit "Leben sammeln" sind zwei Gedichtbände von ihr überschrieben.

Sonnabend, 17 Uhr, liest Georg Zurawski in der Tiefurter "Alten Mühle" aus ihrem neuen Band