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07.05.2013

Gruselig und amüsant - eine Hörerlebnis

von Judith Albig Ostthüringer Zeitung

Burgk. Am Sonnabendabend kamen durchaus keine verängstigten und nervlich angegriffenen Besucher aus dem Amts- haus von Schloss Burgk. Eher gingen sie heiter in den noch hellen Abend, obwohl die soeben zu Ende gegangene Lesung des Schauspielers Thomas Thieme Gruselmärchen der Gebrüder Grimm zum Thema hatte. Wie für die entsprechende CD war das Gruseln im weitesten Sinne aufgefasst und sehr harte, überraschende, neugierig machende - in jedem Falle sehr son- derbare Texte herausgesucht worden. Da gab es gar nicht so selten auch etwas zu lachen - wie bei den vielen Versuchen eines Jungen, das Fürchten zu lernen. Manchmal allerdings blieb es einem mehr oder weniger im Halse stecken bzw. kam nur gequält heraus, etwa wenn die Abfolge des Geschehens allzu unvorstellbar, geradezu abwegig war - beispielsweise bei "Frau Trude" und "Wie Kinder Schlachtens miteinander ge- spielt haben".

Thomas Thieme las mit seiner warmen, leicht angerauten Stimme recht einfach und ohne große Effekthascherei. Der zumeist ruhige, nachdenklich Vortrag mit den vielsagenden Pausen ließ den Grimmschen Text ganz wirken und oft für atemlose Stille im Saal sorgen. Wegen dieser Stimme und Vortragskunst Thomas Thiemes, der ihnen längst ein Begriff war, waren zum Bei- spiel Regina Drescher aus Rockendorf und Andrea Hebenstreit aus Krölpa nach Burgk gekommen. Sie wunderten sich in keiner Weise, dass sich um 50 zumeist erwachsene Zuhörer Gruselgeschichten anhören wollten. Es sei doch eine ähnliche Spannung wie bei einem Krimi, den auch viele mögen. Zudem fänden sie Märchen immer schön - ob gruselig oder nicht. Sie taugten durchaus nicht nur zum Vorlesen für die Enkel. Beide lesen sie auch selbst immer mal wieder gern.

Der Abend auf Schloss Burgk war gleichzeitig - schon vor der offiziellen Eröffnung - die erste Veranstaltung der 16. Thüringer Literatur- und Autorentage. Andreas Berner und Anke Scheller vom veranstaltenden Verein "Lesezeichen" begrüßten und verabschiedeten deshalb auch den begehrten Gast von Literaturveranstaltungen. Unglaublich, aber wahr: Wegen Burgk war er extra pünktlich von Dreharbeiten in Südafrika zurückgekommen, die eigentlich verlängert werden sollten. Am Sonntag dann trug er bereits in Weimar mit seinem Sohn aus dem Brechtschen "Baal" vor. kommen.