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19.02.2005

Große Mimen und Grenzgeschichten

von H. E. Ostthüringer Zeitung

Fünf Thüringer Autoren lassen sich in die Manuskripte schauen

Rudolstadt (OTZ/H.E.). "Der soziale Wellensittich" heißt das neue Buch von Matthias Biskupek. Kostproben daraus gab es am Donnerstag im Literarischen Salon im Schminkkasten nicht. Wer sich dafür interessiert, muss sich bis April gedulden. Stattdessen bekam das Publikum Ausschnitte aus seinem Roman "Eine moralische Anstalt" geboten. Den allerdings gibt es vorerst (noch) nicht zu kaufen, weil sich (noch) kein Verlag gefunden hat. Ein Kapitel handelt vom "Großen Mimen" Lienhard Rausch, der - 25 Jahre zurück - ein Provinztheater "unter der Schnaufelburg" mit dem Stück "Theater ist wie Ficken" aufmischen will. Von "schäumenden Intendanten, Verwaltern, Schauspielern" ist u.a. die Rede. Unübersehbar: Hier schreibt ein Insider. Parallelen zu Biskupeks Theater-Zeit in den 80ern sind unverkennbar.

Autor-Kollege Frank Quilitzsch legte den Zuhörern von all den "Dingen, die wir vermissen werden", so der Titel seines Buches, vor allem seine geliebte Reiseschreibmaschine Erika, den Schallplattenspieler als Verhütungsmittel und die Dreieck-Badehose ans Herz.

In eine ganz andere Richtung geht das Projekt des Südthüringers Landolf Scherzer. In 15 Etappen geht er zu Fuß die frühere innerdeutsche Grenze ab und spürt Geschichte und Geschichten in den Dörfern rechts und links davon aus. Mal ernüchternd, mal heiter, stets ohne Schnörkel.

Etwas schwerer hatte es der Lyriker und Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Döring. Nicht weil seine Gedichte weniger gut waren, sondern einfach deshalb, weil sie nun mal besser zu verstehen sind, wenn man sie liest, als wenn man sie nur hört. Umrahmt wurde der Abend, der am Ende 400 Euro für das Schillerhaus brachte, mit Anekdoten des Kultur-Organisators und Literatur-Wissenschaftlers Martin Straub.