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25.03.2004

Griff zum Taschenbuch

von Thomas Stridde TLZ

Messe, Mangas und Moneten: Ernst-Abbe-Bücherei hofft auf Eigenbetrieb

Jena. (tlz) Müssen sich die Mitstreiter der Ernst-Abbe-Bücherei wegen wachsender Finanznot gar die Nasen platt drücken am "Schaufenster" Leipziger Buchmesse, die gestern Abend eröffnet worden ist? Nein, das nicht, sagte gestern EAB-Leiterin Dr. Annette Kasper. Dinge, die die Verlage ankündigen, selbst in die Hand zu nehmen, Trends bei der Messe nachzuspüren, das sei schon wichtig. "Jede Kollegin hat einen Stapel Nutzerwünsche bei sich auf dem Schreibtisch." Zwei EAB-Frauen halten in Sachen Belletristik und wegen der boomenden Hörbücher in Leipzig Ausschau. Eine Kollegin macht sich schlau wegen der Software-Weiterentwicklung - dabei auch den EAB-Internetauftritt im Hinterkopf.
Und zwei Lektorinnen des Bereiches Sachbuch weilen am Freitag bei der Messe ...
Unstrittig aber ist, dass der Schmalhans in Jenas Stadtkasse der Bücherei arg zusetzt. Standen der Bücherei 1993- Fördergelder inklusive - über 300 000 Mark für Bestandspflege und -erneuerung zur Verfügung, so waren es 2003 nicht einmal 100 000 Euro. Andererseits entfielen voriges Jahr auf die 157000 Medieneinheiten 890 600 Entleihungen - fast 20 000 mehr als im Jahr davor.
200 000 Besucher wurden in der Hauptbibliothek gezählt.
Wenigstens könne man auf mehr Berechenbarkeit und Planbarkeit hoffen, wenn die EAB nächstes Jahr dem neuen Eigenbetrieb Kultur und Marketing Jena KMJ angeschlossen wird, sagte Dr. Kasper.

Das Teuro-Problem

Den Bestand zu erneuern und zu ergänzen, bleibt indes überlebenswichtig. 10 300 Zugänge von Buch bis DVD verzeichnete die Bücherei im vorigen Jahr. Dr. Kasper schätzt, dass allein fünf Prozent des Gesamtbestandes pro Jahr erneuert werden müssen, weil viel genutzte Standardwerke einfach verschlissen sind. Was den Drang zu neuen Titeln und Inhalten anbelangt, gebe es natürlich große Unterschiede etwa zwischen Geschichte und EDV. Und das leidige Preis-Problem: Die Bücher seien mittlerweile für die gleichen Beträge wie zu D-Mark-Zeiten zu haben - nur mit einem Euro-Zeichen dahinter. "Das ist dramatisch für uns." So greife auch die EAB vermehrt zum Taschenbuch. "Es bleibt nichts anderes, wenn sie eine gewisse Breite haben wollen." Um so schwerer muss doch aber der Umgang mit dem am "Messe-Pegel" gut ablesbaren Anstieg der Flut von Angeboten sein! - Natürlich arbeite die EAB verstärkt mit dem Kriterium Preisgrenze. Bei Sachbüchern mit Tiefgang lasse sich in Jena gut auf die öffentlich nutzbare Universitäts- und Landesbibliothek verweisen, sagte Dr. Kasper. Und was Ratgeber und Belletristik betrifft. - "Sie entwickeln einen Blick und sagen sich: Schön bunt, taugt aber nichts." Ein Wort zu den Mangas, den japanischen Kult-Comics: So hoch sei hier der Umschlag gar nicht, ohnedies Comics doch auch zum Lesen anreizten. "Die Kinder holen außerdem nicht nur Comics. Wer einmal in der Bibliothek drin ist, entkommt uns nicht mehr."