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08.09.2012

Greiz: Irgendwas zwischen Einhorn und Elefant

von Katja Grieser Ostthüringer Zeitung

Wortklang in Greiz Schülerin Monique Klatt im Gespräch mit Ulrike Almut Sandig (r.) und Marlen Pelny (l)

Ulrike Almut Sandig und Marlen Pelny verleihen vor Greizer Gymnasiasten moderner Lyrik einen Klang

Greiz. Als Sandig-Pelny-Impro-Show kündigten Ulrike Almut Sandig und Marlen Pelny gestern ihre Konzertlesung an. Improvisiert haben die singende Autorin und die schreibende Musikerin tatsächlich, spielten sich mit Leichtigkeit die lyrischen Bälle zu.

Lyrik liegt nicht jedem, das ist bei den Zwölftklässlern des Ulf-Merbold-Gymnasiums nicht anders. Während die einen den Auftritt der in Berlin lebenden Künstlerinnen nur über sich ergehen ließen, hingen andere, vor allem die jungen Frauen, an den Lippen von Sandig und Pelny. Zu ihnen gehört Monique Klatt, die selbst Gedichte schreibt. "Mir hat das sehr gut gefallen", sagt die 20-Jährige mit leuchtenden Augen, und sie lässt es sich nicht nehmen, mit den Künstlerinnen ein paar Worte zu wechseln.

Während Monique Klatt von Beginn an begeistert war, brauchten einige Schüler eine Weile, um sich einzuhören anfangs kam der Applaus zögerlich, am Schluss jedoch kräftig bei der Version des Kinderliedes "Laurentia". Da Ulrike Almut Sandig als Kind kein Mädchen mit diesem Namen kannte, stellte sie sich Laurentia immer als irgendwas zwischen Einhorn und Elefant vor, etwas ganz Tolles, Magisches, und kam zu dem Schluss: "Die muss wirklich wiederkommen."

Sprechgesang mit Rap-Elementen und Musik, die "wir ohne Strom hinkriegen so stand es über der Titelliste verschmolzen zu einem außergewöhnlichen Hörerlebnis. Zeit, über die Gedichte nachzudenken, blieb wenig. Und bei einem Gedicht, so Ulrike Almut Sandig, wäre das auch völlig sinnlos gewesen. Eine kleine Farbenlehre habe sie betrieben, als sie in einem Künstlerhaus an der Ostsee war. Dort sei alles Blau gewesen: das Haus, die Ostsee, "ich auch", erzählt sie lachend. Entsprechend sinnfrei oder doch nicht? kam das Gedicht daher.

Überzeugt haben die Künstlerinnen weniger mit ihren Stimmen oder einem neuartigen Akustik-Gitarren-Sound, sondern mit gefühlvollen, ehrlichen, nicht künstlich auf intellektuell getrimmten Texten, die unter die Haut gehen. Dazu gehört Pelnys Song über das, was fehlt mal die Milch zum Kaffee, mal eine Tür, und manchmal alles. Es läuft eben nicht immer alles so gut, doch am Abend werden wir sagen, dass alles okay ist...

Die Konzertlesung gehört zur Reihe "Wortklang" von Sparkassen-Kulturstiftung, Sparkasse Gera-Greiz und Lese-Zeichen e. V. Jena. Nach der Unplugged-Version am Mittag legten die Berlinerinnen gestern Abend in der Bibliothek am Kirchplatz mit elektronisch verstärkten Dichtungen für Freunde der Popmusik nach.