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28.09.2007

Goethe & Gartenfreunde

von Frank Quilitzsch TLZ

Sigrid Damm eröffnet am 1. November den literarischen Reigen mit "Goethes letzte Reise".

Jena. (tlz) "Goethe ist einundachtzig Jahre alt. Reisen ist für ihn keineswegs mehr das Gewohnte. Im Gegenteil ..." Auch Sigrid Damm, die Verfasserin dieser Zeilen, ist nicht mehr die Jüngste. Gerade ist im Insel-Verlag das neue Buch der Thüringer Literaturpreisträgerin erschienen: "Goethes letzte Reise", und Sigrid Damm wird sich am 1. November auf den Weg nach Jena machen, um zur Eröffnung des 13. Literaturmarathons daraus zu lesen.
Einen würdigeren Auftakt könne sie sich gar nicht denken, freut sich Angela Schubert von der Ernst-Abbe-Bücherei, die für diese Veranstaltung den Berliner Saal im Jenaer Hotel Steigerberger Esplanade angemietet hat. "Es ist Sigrid Damms persönlichstes Buch, dazu passt kein akademisches Hörsaal-Ambiente." Schubert rechnet mit 500 Zuhörern, denn in Jena hat die literaturwissenschaftlich bewanderte Schriftstellerin seit jeher ein Heimspiel.

Bis zum 14. November bietet der Jenaer Lesemarathon noch 13 weitere Veranstaltungen mit zum Teil hochkarätigen Autoren. Zwei Abende steuert das Volkshaus bei: Für die bekannte Schauspielerin Jutta Hoffmann, die am 9. November aus den Tagebüchern der Brigitte Reimann liest, und den Satiriker Axel Hacke, der am 6. November sein zweites Verhörbuch "Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück" vorstellen wird, ist der Große Saal gerade groß genug. Auch für Wladimir Kaminer muss am 4. November das Volkshaus geöffnet werden, denn wenn der hauptstädtische Russe sein neuestes Werk "Mein deutscher Schrebergarten" nennt, ist mit global Biotopischem zu rechnen: "Wir sind die Gartenfreunde, die sich zwischen den nassen Rhabarberblättern einquartiert haben. Und darauf trinken wir noch einen."

Nein, dieser Lesemarathon versteht sich nicht als Bestseller-Präsentation, sondern behauptet Anspruch, hat Esprit und bedient durchaus auch die bedeutenden Nischen der Literatur. Freuen darf man sich beispielsweise auf eine Lesung aus Werner Bräunigs "Rummelplatz", einem der wichtigsten Nachkriegsromane, der erst jetzt aus dem Nachlass erschienen ist. Die Aufbau-Lektorin Angela Drescher spricht über das bittere Schicksal des Autors und seines Werks (2. 11.).

Auch Udo Scheers Buch über den DDR-Bürgerrechtler und Schriftsteller Jürgen Fuchs gehört unbedingt nach Jena, erinnert es doch an die Zeit der Opposition in der Saalestadt und lässt neben vielen anderen die damals in Thüringen lebenden Freunde Reiner Kunze und Lutz Rathenow zu Wort kommen (12. 11.). Kurios ist die Prenzlauer Berg-Dokumentation "Spannung - Leistung - Widerstand. Magnetbanduntergrund DDR 1979-1990" von Roland Galenza und Alexander Pehlemann, am 8. November von der Landeszentrale für politische Bildung im Café Wagner präsentiert.

Literatur-Manager Martin Straub vom Lese-Zeichen e. V. begrüßt, dass der Marathon aus der Bibliothek heraus führt und andere Orte der Stadt einbezieht. Im Umspannwerk der "Imaginata" liest Pascal Mercier aus seinem Roman "Nachtzug nach Lissabon" (11. 11.). Ohne Unterstützung durch die Stadtwerke Jena-Pößneck, die Landeszentrale, das Volkshaus und Buchhandlungen der Stadt sei ein solches Projekt nicht zu stemmen, so Straub, der sich besonders auf eine Runde mit Thüringer Dichterinnen freut. "Frauenpoesie" heißt es am 13. November im Café Wagner, wenn Nancy Hünger, Ricarda Herbrand, Kristin Erhardt, Clara Ehrenwert und Romina Voigt ihre Texte vortragen.

Weitere Themen des bunt gefächerten Lese-Reigens: Bernd Schroeder recherchiert über einen historischen Kriminalfall (5. 11.), Gerhard Haase-Hindenburg über einen Stasi-Offizier (7. 11.), der für den Deutschen Buchpreis nominierte Thomas Glavinic liest aus "Das bin doch ich" (10. 11.), und Sachbuchautor Michael O. R. Kröher führt am 14. November hinüber in die "Lange Nacht der Wissenschaften". Und natürlich diskutiert das Kritiker-Quintett des Neuen Lesehallenvereins wieder über literarische Neuerscheinungen (3. 11.).

@ Programm: www.stadtbibliothek.jena.de