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16.06.2009

Gewaltiger Sprachsturm, optische Eleganz

von Helmut R. W. Herrmann Ostthüringer Zeitung

Gewaltiger Sprachsturm, optische Eleganz


Schwungvolle Tänze legten die jungen Frauen vom Tanzkreis Brillant aus Gera aufs Parkett. (Foto: Regina Drescher)

Dritter Literaturball auf Burg Ranis: Gelungene Mischung für Literatur- und Musikfreunde
Von Helmut R. W. Herrmann Ranis. "Literarisch untermaltes Abendessen mit unverbindlicher Einladung zum Tanz" - bewusst hatten die Organisatoren vom Lese-Zeichen e. V. diese Veranstaltung, die zum dritten Mal angeboten wurde, nicht wieder als Literaturball angekündigt, weil weniger Feierliches, als vielmehr Anregendes im Mittelpunkt stehen sollten. Gehofft hatte man auch darauf, mit diesem Abschluss des langen und ereignisreichen Literatursonnabends auf der Burg Ranis einen entspannten Höhepunkt zu setzen. Das ist mit den Gestaltern und Mitwirkenden und dem passenden Rahmen auch bestens gelungen.
Nach der Begrüßung durch den Vereinsvorsitzenden Andreas Berner übernahmen k.u.k., Wehwalt Koslovsky und Frank Klötgen, Profi-Slammer aus Berlin, den literarischen Part. Die beiden Wortakrobaten produzierten einen atemberaubenden Sprachsturm im Versmaß. Dabei reichte ihr Repertoire von bitterbösen Balladen über skurrile Oden bis hin zu kantiger Liebeslyrik. Vor allem die klassische deutsche Literatur bekam ihr Fett weg. Es war tatsächlich, wie angekündigt, ein wortgewaltiges Plädoyer für den Reim - und höchst unterhaltsam. Ganz still war es im Breitenbuchsaal bei den Vorträgen von Klötgen und Koslovsky, keiner wollte sich ein Wort, eine Wortschlange oder eine auch mimisch hervorragend dargebotene Nuance entgehen lassen.

Ausgezeichnete optische und sportliche Farbtupfer setzte wiederum der Tanzkreis Brillant aus Gera unter der Leitung von Trainer Ingo Ronneberger. Das interessierte Publikum konnte einen Querschnitt des Tanzkreis-Repertoires erleben und sich an der hohen tänzerischen Qualität der Akteure erfreuen. Ob die mehrfachen Thüringenmeister im Paartanz, die sich berechtigt als Stars feiern lassen durften, oder die schwungvollen, mitreißenden Gruppentänze junger Mädchen oder die berührenden Tanzschritte des jüngsten Paares, acht und zehn Jahre alt, es war eine tolle Werbung für die Schönheit von Tanz und Anmut. Völlig verdient forderte und erhielt das dankbare Publikum seine Zugabe.

Die unverbindliche Einladung zum Tanz wurde von den rund 60 Gästen nur sehr begrenzt angenommen. Die Beatband Favorit spielte zwar sehr gekonnt Beat- und Surfmusik der 60er Jahre und konnte in klassischer Besetzung das Publikum an den Beginn der Beatmusik erinnern und zugleich die Lebendigkeit dieser Musik bewahren. Zum Tanzen allerdings verführte diese Musik nicht. Ein ausgezeichnetes, vielfältiges Buffet und beste Bedienung garantierte einmal mehr das Team vom Grünen Baum und Lippi´s Fabrik aus Bodelwitz, das den schönen Literaturabend der anderen Art vorzüglich abrundete.