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25.09.2009

Gesicht nicht hinter Maske verstecken

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) "Wenn ich aus dem Hause gehe", wird Hans-Eckardt Wenzel am Sonnabend in der Weimarer Jakobskirche singen, "leg ich eine meiner Masken an, / dass den Tag ich überstehe, / dass ich ausseh wie fast jedermann." Wenzel, der im Herbst ´89 vor seinen Auftritten die Protestresolution der Rockmusiker und Liedermacher verlas, hat Haltung gezeigt, und er zeigt sie auch heute mit seinen Texten. Das Lied von den "Masken", hinter denen sich auch Melancholie, Trauer und Verzweiflung verbergen, stammt aber aus der Feder seines Freundes, des Schriftstellers und ersten gesamtdeutschen PEN-Präsidenten Christoph Hein.
Wenzel singt Hein - das Konzert, begleitet vom Lunar-Trio, ist der Schlussakkord einer Künstler-Tagung, die unter dem Schiller-Motto "Freiheit, die ich meine ..." heute und Sonnabend bedeutende Autoren in Weimar versammelt, um 20 Jahre nach dem Mauerfall an den Aufbruch zur Demokratie zu erinnern.

Von Schiller bis zur Gegenwart

Wie kein anderer Exponent der Weimarer Klassik steht Friedrich Schiller mit seinem Werk für das Ideal der Freiheit. Von den "Räubern" bis zum "Tell" lotet der Dichter die Extreme aus. Über den Schillerschen Freiheitsbegriff und jene Freiheit, die sie meinen, diskutieren heute ab 18 Uhr im Residenzschloss der Berliner Publizist Friedrich Dieckmann, der Dresdner Lyriker Thomas Rosenlöcher und der langjährige Leipziger Schauspielintendant Wolfgang Engel, der 2010 am DNT Weimar den "Fiesco" inszeniert. Um 20 Uhr wird die Runde erweitert, und es erinnern auch Christoph Dieckmann, Jan Faktor, Wulf Kirsten, Angela Krauß, Katja Lange-Müller und Annette Simon an die friedliche Revolution. Die Autoren werden jeweils kurze Statements vom Herbst 1989 lesen. Die Moderation hat Jörg Sobiella von MDR-Figaro. Und nochmals kann man die acht am Sonnabend in einem Lesemarathon von 10 bis 16 Uhr in der Weimarer Stadtbücherei erleben, wenn jeder aus seinen vor und nach 1989 entstandenen Werken vorträgt. Auch hier gibt es Gelegenheit zum Gespräch, das Matthias Gehler, MDR-Hörfunkdirektor von Radio Thüringen, leiten wird.

"Was wir in diesen stürmisch bewegten Herbsttagen erleben, hat nichts mit einer Wende zu tun. Es handelt sich vielmehr um einen Aufbruch zur Demokratie", dies erklärte der Dichter Wulf Kirsten am 12. November ´89 auf dem Theaterplatz in Weimar. Katja Lange-Müller, die die DDR 1984 verließ, wird sicherlich einen anderen Blick auf die Ereignisse haben. Gerade die unterschiedlichen Facetten individuellen Geschichtserlebens machen den Reiz der Diskussion aus.

Interessenten, die sich nicht zur Tagung angemeldet haben, können jede Veranstaltung ihrer Wahl einzeln besuchen, so auch das Abschlusskonzert. "Alles geht, alles verweht", wird Wenzel einen weiteren Text von Hein singen, "alles stirbt in dieser Welt. / Nur nicht das Geld."

i Tagungsprogramm und Lesungen: www.lesezeichen-ev.de; Wenzel-Konzert am Sonnabend, 20 Uhr, Jakobskirche in Weimar