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28.03.2007

Gescheiterter Visionär

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) Man braucht einen langen Atem, um das aufregende und künstlerisch ertragreiche Leben (reich auch an Enttäuschungen und Niederlagen) des Schriftstellers, Malers und Filmemachers Peter Weiss (1916-1982) heutigen Lesern zu vergegenwärtigen. Jens-Fietje Dwars hat diesen Atem und dazu die nötige Leidenschaft; er "brennt" für seinen Gegenstand und vermag dennoch, aus gebotener Distanz auf ihn zu blicken. Das zeichnet seine mehr als 300 Seiten starke Peter Weiss-Biografie "Und dennoch Hoffnung" aus. Gestern Abend trug der Jenaer Autor im Rahmen der Weimarer Lesarten Abschnitte daraus vor und verstand es auch, mit überbrückenden Kommentaren sein Publikum zu fesseln; freilich ein wenig von der Ungeduld desjenigen getrieben, der in anderthalb Stunden möglichst viele und äußerst komplexe Fakten vermitteln möchte.
Gut gewählt der Einstieg: Indem er seinen persönlichen Bezug zu dem Jahrhundertwerk schilderte - den Peter Weiss-Lesezirkel an der Jenaer Uni Ende der 80er Jahre -, wurden Schwierigkeit und Faszination im Umgang mit der "Ästhetik des Widerstands" anschaulich. Dwars beschwor die vielfach gebrochene Kindheit und Jugend des visionären Malers, zeigte den durch das schwedische Exil entwurzelten experimentellen, nach dem Krieg von deutschen Verlagen abgelehnten Schriftsteller, den gescheiterten Filmemacher, der erst spät als universaler Künstler entdeckt wird.

Peter Weiss hat sich die Hoffnungen und Niederlagen der sozialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts zu eigen gemacht wie kein anderer. Seine Tragik, so das Fazit von Dwars, bestehe darin, "dass Politik und Kunst, das Ringen um die äußere und innere Befreiung des Menschen, nie zueinander fanden, dass diese im wörtlichen Sinn notwendige, die Not wendende, Alternative nur am Ende als Schwanengesang ertönt, als Rückblick auf verlorene Möglichkeiten, der um so eindringlicher einen Neubeginn fordert." Ein Gescheiterter, von dem man lernen kann.