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07.05.2010

Geraerin Annerose Kirchner: "Später hätte ich nicht schreiben können"

von Katja Schmidtke

Im März hat die Geraer Autorin ein Buch über die Ostthüringer Dörfer veröffentlicht, die dem Uranerzbergau weichen mussten. Nun spricht sie über die Resonanz auf ihr literarisches und dokumentarisches Werk. Wie hat die Wismut GmbH auf Ihr Buch reagiert?

Das Buch ist erst seit anderthalb Monaten auf dem Buchmarkt. Da ist es für ein Resümee noch zu früh. Bisher haben mich einige ehemaliger Hauer, Steiger und Busfahrer angesprochen. Die größte Resonanz kommt aber von den Menschen, die in den abgerissenen Dörfern wohnten und in der unmittelbaren Nachbarschaft. Auch Kinder und Enkel aus umgesiedelten Familien melden sich.

Wie sind die Reaktionen von Lesern?

Zahlreich und vielfältig. So hat mir Ursula Lange, die aus Culmitzsch stammt und heute in der Nähe von Osnabrück lebt, zum Buch sehr herzlich gratuliert. Wörtlich: "Die ehemaligen Bewohner der spurlos verschwundenen Dörfer bekommen nun endlich ihre eigene Ortsmonographie mit allen unverzichtbaren Details." Frau Lange kennt sich in der Materie aus. Sie hat ein Buch über ihre Kindheit in Culmitzsch geschrieben. Es war Zeit für dieses Buch über die Dörfer. Später hätte ich es nicht mehr schreiben können.

Warum nicht?

Die Zeitzeugen werden älter, und eines Tages ist niemand mehr zu finden, der über diese Zeit vor fünfzig, sechzig Jahren erzählen kann.

Der Bergbau-Traditionsverein Wismut setzt der Geschichte ein Denkmal in Form der begehbaren Landkarte auf der Schmirchauer Höhe. Was halten Sie davon?

Eine tolle Sache. Die begehbare Landkarte gehört auf die Schmirchauer Höhe. Dass man sie erwandern kann, auch durch das Gessental, hat eine besondere symbolische Bedeutung, ist ein Stück Erinnerungsarbeit. Auch die Raum-Zeit-Fenster sind wichtig, auch für Besucher, die von außerhalb kommen.

Sie konnten bei Ihren Recherchen niemanden finden, der Ihnen von Gauern erzählt. Haben sich inzwischen Zeitzeugen gefunden?

Ja. Ich werde wahrscheinlich im Sommer nach Gauern fahren und mein Tonbandgerät einpacken. Aber es ist völlig offen, ob ich über Gauern schreibe, ob man diese Geschichte dann noch in das Buch, vielleicht in einer weiteren Auflage, einfügen kann oder ob sie in einem anderen Buch erscheint.

Was ist Ihr nächstes Vorhaben?

Ich bleibe beim Thema Dorf, das ich per Reportage erkunden möchte. Es wird aber im neuen Projekt nicht um Wismut, Uranabbau und Devastierung gehen. Mehr möchte ich nicht verraten.

Am 18. Mai ab 19 Uhr liest Annerose Kirchner in der Eisenberger Bibliothek.