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27.12.2013

Geliebtes und verschmähtes Schloss Wolfersdorf

von Frank Kalla Ostthüringer Zeitung

Die Jenaer Historikerin Sylvia Weigelt zeigt eine Zeichnung aus dem Jahr 1800 aus dem "Geheimen Archiv" Gotha, auf dem eine Ansicht vom Jagdschloss Wolfersdorf zu sehen ist

Die knapp 400-jährige Geschichte des Wolfersdorfer Jagdschlosses Zur fröhlichen Wiederkunft war von Glanz und Gloria, aber auch von Phasen des Verfalls geprägt. Die Jenaer Historikerin und Autorin Sylvia Weigelt geht in ihrem Buch auch auf kuriose Geschichten ein.

Wolfersdorf. "Wir sind bedacht zur Notdurft und nicht zum Überfluss ein Jagdhaus zu bauen", schrieb Johann Friedrich I. von Sachsen 1570 an seinen Architekten Niklas Gromann. Mehr als einmal zeigte sich der Fürst und Bauherr vom Jagdschloss "Zur fröhlichen Wiederkunft" in Wolfersdorf von seiner knausrigen Seite.

Die überaus wechselvolle Geschichte vom Jagd- und Wasserschloss Wolfersdorf hat jetzt die Jenaer Historikerin Sylvia Weigelt in einem Buch zusammengefasst, das in wenigen Wochen herausgegeben werden soll. In dem finanziell vom Thüringer Kultusministerium geförderten Werk spannt Sylvia Weigelt nicht nur einen Bogen von der Entstehungszeit von Schloss Wolfersdorf (1547 bis 1550) bis zur aktuellen Sanierung der Anlage, sondern geht auch auf allerlei Geschichten ein, die sich im Laufe der Jahrhunderte an diesem Ort ereigneten. Beispielsweise, dass es bereits um 1680 nicht mehr weit her war mit dem Herrensitz. Als Herzog Christian von Eisenberg hier nächtigen wollte, musste er weiterziehen nach Hummelshain, weil es in Wolfersdorf sogar an Wasser mangelte. So hieß es im Inventarium der damaligen Zeit, dass Fenster zum Teil eingefallen, das Kabinett ziemlich verschandelt sei und Schlüssel für Türen fehlen würden.

Dabei war Johann Friedrich 1552 nach über fünfjähriger Gefangenschaft so froh, an diesem "heiteren" Ort zu sein, dass er dem Schloss den Namen "Zur Fröhlichen Wiederkunft" verpasste. Dass die Wände des fürstlichen Schlafgemaches in schlichtem Weiß getüncht waren, tat er mit den Worten ab, dass das Gemach durch die Schönheit seiner Gattin Sybille von Kleve erstrahlen werde.

"Das Jagdschloss Wolfersdorf hat in seiner wechselvollen Geschichte eigentlich nur zwei Blütezeiten erlebt: Unter Johann Friedrich und ab 1858, als Herzog Joseph die heruntergekommene Anlage in neogotischem Stil restaurieren ließ", erzählt Sylvia Weigelt. Bei ihren Recherchen stieß sie zudem auf allerlei Merkwürdigkeiten. So beklagten beispielsweise die Gebrüder von Eichicht während der Bauphase, dass ihnen die Heideknechte des Fürstens verbieten würden, in ihrem eigenen Wald zu jagen und mit "Buchsen, Spießen und Hellebarten" gegen ihre Leute vorgingen.

Ärger gab es auch wegen der eigens für den Schlossbau errichteten Schneidemühle, in der unter anderem Bretter für den Bau zurecht geschnitten wurden. So hatte der Schösser von Roda den Sohn des Müllers in Haft nehmen lassen, weil dieser einen armen Schlucker schwer am Kopf verletzt hatte. Der Kriminalfall endete ungewöhnlich: Weil der Betrieb der Mühle nur mit dem Sohn aufrecht erhalten werden konnte, ließ man ihn trotz seines Vergehens frei.

Das Schloss selbst war zeitweise reich ausgestattet. So zierten Arbeiten von Lucas Cranach dem Älteren die Räume, später - unter Herzog Joseph - war das Schloss vollgestopft mit Kostbarkeiten. "Es war eine prachtvolle Ausstattung. Ein 120 Seiten starkes Inventarium von 1868 listet kostbare Schränke, Kelche, Bilder, Geschenke, Waffen und jede Menge Hirschgeweihe und andere Trophäen auf", erzählte Sylvia Weigelt.

Einstmals beherbergte das Jagdschloss auch vier Gemälde aus der Zeit von Friedrich dem Großmütigen. Die Gemälde zeigen Szenen aus dem Leben des Fürsten und hängen heute im Deutschen Historischen Museum. Wie die Kostbarkeiten dort hin gelangten, vermochte auch Sylvia Weigelt nicht zu klären. Dafür aber fand sie zahlreiche Hinweise, dass der Spruch, dass wohl nahezu jeder in Wolfersdorf und Umgebung adliger Abstammung ist, wohl mehr als zutrifft. "Fürst Johann Friedrich war ein ganz schlimmer Finger. Obwohl er Sybille von Kleve liebte, hatte er laufend Affären."