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13.08.2002

Gedichte dürfte man nicht verlegen

von Constanze Alt Ostthüringer Zeitung

Von OTZ-Mitarbeiterin Constanze Alt

Eine ehemalige LPG-Baracke in Bucha bei Jena. Ein Blumengeschäft gibt es dort, daneben einen Zahnarzt. Und noch eine Tür, an der ein Computer-Ausdruck hängt: "quartus-Verlag".

"Als ich noch in Jena wohnte, habe ich den Verlag lange in meiner eigenen Wohnung betrieben. Mit mir allein, so zu sagen". Jetzt ist der Verlag eben in Bucha, weil der Chef, Detlef Ignasiak, auch in Bucha ist. Zwei Mitarbeiter hat Ignasiak jetzt auch. Eine von ihnen, Ines Hofmann, kommt aus der Germanistik. Wie der Chef selbst. "Wir Germanisten können ja alles machen." Warum nicht also auch einen Verlag gründen?

Seit 1995 gibt es den "quartus-Verlag". Damals hatte Ignasiak noch eine Assistenz-Stelle in Literatur an der Uni Jena. Ein "Nebenher-Geschäft" sei der Verlag bis heute geblieben. Unterrichtet Ignasiak doch jetzt an der Volkshochschule, hält Vorträge, organisiert Literaturreisen an den Rhein, nach Sizilien und Malta oder nach Wien. "Ich sage immer selbst: Ich bin nur zu fünfzig Prozent im Verlag", untertreibt Ignasiak, was seine Mitarbeiterin wiederum mit einem Lächeln quittiert.

"Quartus", lateinisch für vier, bezieht sich auf die Anzahl der Standbeine: Thüringer Kulturgeschichte, Thüringer Autoren, Deutsche Klassiker und der "Palmbaum". Wie Ignasiak ein wenig stolz bemerkt, "die einzige Literaturzeitschrift in Thüringen." Die gleichnamige Literarische Gesellschaft Palmbaum e.V. hat er kurz nach der Wende gegründet. Daher auch die Kontakte zu so vielen Autoren. Denn wer im "Palmbaum" publiziert, lässt meist auch bei "quartus" verlegen. "Die kommen natürlich nicht zu mir, weil ich so gut bin, sondern weil sie bei Suhrkamp nicht verlegt werden", konstatiert Ignasiak lakonisch.

Zwei bis drei Bücher bringt "quartus" pro Monat heraus. Die Auflage schwankt zwischen 500 und 3000 Stück, wobei letzteres eher die Ausnahme ist. Der "quartus-Verlag" versteht sich als Publikumsverlag mit klassischem Programm: Bücher, bei denen Ignasiak der Meinung ist, sie seien gut, werden vom Verlag auf eigene Rechnung publiziert, in der Hoffnung, dass diese sich verkaufen. "Mein Interesse ist nicht, irgendwelche siebent-rangigen Lyriker zu verlegen, die ihre Gedichte selber bezahlen", stellt Ignasiak klar. Und außerdem: "Gedichtbände dürfte man natürlich überhaupt nicht verlegen." Zumindest nicht, wenn man am Profit interessiert ist. Generell: "Mit Belletristik kann man nichts verdienen." Doch gerade die liegt den Idealisten im Barackenbau am Herzen. Denn Ignasiak und seine Mitarbeiter verstehen sich nicht primär als Teile eines Wirtschaftsunternehmens, sondern als kulturelle Szenenförderer. Im "quartus"-Verlag erschienen sind beispielsweise Annerose Kirchners Gedichtband "Keltischer Wald" oder Elisabeth Dommers Erzählungen unter dem Titel "Sommervögel im Eis". Ignasiak selbst schreibt allerdings Sachbücher, etwa über Ernst den Frommen, Herzog von Sachsen-Gotha.

Kaum ein Verlag dieser Größenordnung beschäftige sich mit Belletristik, betont Ignasiak immer wieder: "Wir sind vielleicht ein Exot in der Thüringer Verlagslandschaft", gerät der gebürtige Berliner ein wenig ins Schwärmen. " Aber das können wir auch nur machen, weil wir nicht reich werden wollen und die Mitarbeiter niedrige Gehälter bekommen." Das gilt auch für seine eigene redaktionelle Arbeit beim "Palmbaum".