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25.03.2006

Gechichte nicht in der Aktenablage entsorgen

von Rainer Querengässer Ostthüringer Zeitung

Der Autor Jens-Fietje Dwars

Autor Dwars mit Geschichten aus der DDR
Als "Geschichten aus einem abgelegten Land" bezeichnet der Untertitel die zwölf Erzählungen in Ihrem neuen Buch aus dem Jenaer quartus-Verlag, Herr Dwars. Das Land "mit den drei großen Buchstaben", wie Sie sagen, ist bekannt. Aber wohin ist es abgelegt worden?
Sein Aktenbestand in die Ablage, wie sich das in Deutschland gehört. Aber das ist nur ein Teil des Landes DDR. Zudem der kleinere und wohl unwichtigere.

Und wo liegt der größere und wichtigere Teil?

In den Köpfen der Leute, die in diesem Land lebten. Das sind die lebendigen Ablagen in der Form menschlicher Erinnerung. Aus ihnen "Akten zu ziehen" ist manchmal schwerer und manchmal leichter, als in Aktenregalen zu kramen. Auf alle Fälle ist es hochinteressant, mit Geschichten über die innere DDR Geschichte festzuhalten.

Die so aber Literatur wird...

Warum denn nicht? Es ist die inoffizielle Geschichtsschreibung, die in Menschen fortlebt. Als Autor verbinde ich Erlebtes, auch Selbsterlebtes, mit Erfundenem. So kann ich vielleicht dazu beitragen, dass in dem Fall jüngste Geschichte nicht einfach in der Ablage entsorgt wird. Denn biographisch entkommen wir unserer Geschichte ohnehin nicht, auch wenn das bei manchem zuweilen scheint, es sei gelungen.

Sie haben den literarischen Rückblick in handliche Stücke, in lesefreundliche short stories gepackt. Erleichtert das den Zugang?

Das entscheiden die Leser, aber ich hoffe, dass es so ist. Der große Historienroman ist ja für das Lesen zwischendurch wenig geeignet. Ich wollte schon, dass es mit den Erzählungen möglich ist, dass man sie auch anderen vorlesen kann. Ich selbst mache das übrigens am kommenden Dienstag um 19.30 Uhr in der Galerie Schwing am Johannisplatz, als Probe aufs Exempel. Mal sehen, was die Zuhörer meinen.