Presse - Details

 
29.01.2005

Gebrauchte Lieder mit schelmischen Bildern

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Kultautor Ulrich Plenzdorf liest am 3. Februar um 19.30 Uhr auf Burg Ranis

Ranis (OTZ/mko). Ulrich Plenzdorf feierte im Herbst des vergangenen Jahres seinen 70. Geburtstag und für eine literarische Überraschung ist er immer noch gut. "Ich sehn mich so nach Unterdrückung" heißt sein jüngstes Werk, in dem sich der Drehbuchautor für Film ("Die Legende von Paul und Paula") und Fernsehen ("Liebling Kreuzberg"), Romancier ("Die neuen Leiden des jungen W."), Stückeschreiber und Übersetzer als genialer Lyriker outet. Den gediegenen Band, der Ende des vergangenen Jahres im Konrad Reich Verlag in Rostock erschienen ist, stellt er am Donnerstag, 3. Februar, um 19.30 Uhr in der monatlichen Lesung der Literaturakademie Burg Ranis im Lese-Zeichen e. V. vor. Einige Texte aus dem 80 Seiten starken Buch waren bei seiner letzten Lesung im Orlatal im Herbst 1999 zu hören. Damals war der große Saal des Pößnecker Rathauses fast zu klein für die vielen Plenzdorf-Fans.

Der in Berlin lebende Plenzdorf schreibt seit über 30 Jahren Gedichte. Einige seiner Verse versteckte er im Laufe der Zeit in Filmen oder Revuen. Jetzt stehen die Songs, Chansons und Moritaten für sich selbst und dürften auch jene Literaturkonsumenten begeistern, die sonst nichts von Lyrik halten. Die "gebrauchten Lieder", wie es im Untertitel des Buches heißt, sind in einer einfachen Sprache geschrieben. Sie verblüffen aber durch die Fülle schelmischer Bilder. Plenzdorf verführt seine Leser oft in sinnliche oder komische Situationen, um sie daraus ziemlich plötzlich nachdenklich zu entlassen. Einen zusätzlichen Reiz verschaffen dem Buch die meist doppelbödigen Illustrationen des Leipziger Grafikers Egbert Herfurth.

Einige Gedichte scheinen der heutigen Zeit auf den Leib geschrieben zu sein. Dabei sind sie DDR-Literatur. So liest sich das "Betonlied" von 1984 heute als ironische Hymne auf den so genannten Stadtumbau Ost. In anderen Texten bietet er mitunter berlinernd seine ganz persönliche Aufarbeitung der DDR-Zeit, der Wende und der Jahre danach an. "Keiner weiß, zieht er selber / oder hängt er am Strang?" hält Plenzdorf in seinem "Lied vom Übergang" von 1991 fest und in seinem "ABC" von 1994 erinnert er: "ABC / Ich war in der SED. / Und SED war quasi / dasselbe wie die Stasi." Und fehlt´s "an Glück, an Mut, an Kredit, / an Schatten in der Mittagshitze, / ..." und an vielem anderen mehr, da helfe nur Selbstsuggestion, meinte Plenzdorf schon 1985, wohl wissend: "Den Preis zahlt eine andere Generation. / Es sei denn, sie lernt - Selbstsuggestion!"