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09.04.2008

Geadelt durch Musikalität

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) Die Lesarten laden zur Thüringer Buchpremiere: Wolfgang Haak, Jahrgang 1954, Lehrer, Schulleiter und Autor in Weimar, stellt seinen neuen Prosaband "Bagatellen Opus Nro. III" vor (Edition Ornament im quartus-Verlag, Bucha bei Jena, 128 S. mit Zeichnungen von Gerd Mackensen, 14.90 Euro).

Herr Haak, warum sind Ihnen Bagatellen wichtig?

Weil sie oft gar keine sind. Scheinbar nebensächliche, ins Abseits gerutschte, am Wegesrand verlorene Dinge faszinieren mich schon immer. Ich lese sie auf und verarbeite sie zu Texten.

Dabei sind Sie ein Meister der literarischen Minimalistik, und ich ahne auch, warum: Schuldirektoren haben wenig Zeit ...

Der Zeitfaktor spielt natürlich auch eine Rolle, aber ich würde ihn nicht in den Vordergrund rücken. Letztendlich sitzt man an jedem dieser kleinen Texte sehr lange. Das in dem Bändchen Gesammelte ist über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren entstanden.

Sicher drehen und wenden Sie jeden Text noch mehrmals, ehe Sie ihn zum Druck freigeben.

So ist es. Arbeit, Arbeit, Arbeit ...

Und der Spaß? Erfinden Sie auch Bagatellen?

Es sind Texte dabei, die erfunden sind. Die meisten sind Fundstücke. In der Regel gibt es für das Aufschreiben einen konkreten Anlass, auch wenn er einem manchmal erst später wieder einfällt. Ich reflektiere ja auch immer wieder über meine unmittelbare Umgebung - Weimar, die umliegenden Dörfer, Schloss Belvedere. Ein wichtiger Ort für mich heißt Kindheit.

Apropos Belvedere: Als Leiter des Musikgymnasiums atmen Sie schöne Töne wie Sauerstoff ein. Inspiriert Sie das beim Schreiben?

Auf jeden Fall. Das ist ein anregender Raum, in dem ich mich bewege! Ich habe ständig junge Leute um mich, die sehr angestrengt und zielgerichtet arbeiten, um die Musik später einmal zu ihrem Beruf machen zu können.

Deshalb heißt Ihr musikverliebtes Bändchen auch "Bagatellen Opus Nro. III"?

Der Begriff "Bagatellen" hat schon an und für sich einen guten Klang ...

Und jetzt wird er quasi musikalisch geadelt.

Ich habe natürlich nicht Musik in Literatur umgesetzt. Aber Sie haben Recht, es gibt Berührungspunkte: Meine Texte verlangen nach Spannung, Rhythmus und Sprachmelodie, nach all dem, was gute Musik ausmacht.

Noch ein Vorzug Ihrer "Bagatellen": Wie schaffen Sie es, Ihren Humor nicht zu verlieren?

Indem ich mich in Ironie oder Sarkasmus flüchte ... Nein, ich bin eigentlich ein humorvoller Mensch. Manchmal ist Humor aber auch eine Reaktion auf Wahrheiten, die man nicht zu nah an sich heranlassen möchte.

! Heute, 20 Uhr, Thalia-Buchhandlung Weimar

! 08. Mai 2008, 19.30 Uhr Lesung mit Wolfgang Haak auf Burg Ranis.