Presse - Details

 
10.07.2014

Gartenlesung - Zu Gast im Paradies

Annerose Kirchner besuchte am Sonntag eine Gartenlesung mit Wulf Kirsten im Kloster Mildenfurth

Ein „ungestyltes Paradies“ nennen Freunde des Klosters Mildenfurth ihren Klostergarten, der gleichzeitig als Freiluftatelier im Kühn'schen Refugium zur Regenerierung sämtlicher Sinne einlädt.

„Sind im Garten“ hieß es am vergangenen Sonntagnachmittag. Das Motto passte auf die zauberhafte Örtlichkeit vor der Kulisse des beeindruckenden Veitsberges. Nach abgeflauter Tageshitze saß es sich angenehm unter Bäumen, die Stühle bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine Katze huschte durch die Beine der Zuhörer. Ein Reiher flog übers Weidatal.

Unterm weißen Sonnenschirm hatte der Weimarer Schriftsteller Wulf Kirsten Platz genommen. Er sieht sich als „Gärtner ohne Garten“, der beim Schreiben seiner Gedichte immer wieder aus seiner dörflichen Herkunft zwischen Freiberg und Meißen schöpft. Der Heimat- und Naturkenner par excellence versprühte geistreiche Sentenzen über Wahlverwandte und ihre schönsten Gartenbücher, erzählte über den umstrittenen Paul Schultze-Naumburg, Alma de L'Aigle und Ulla Lachauer.

Bevor er in seinen dichterischen Sprachgarten einlud, brach Wulf Kirsten eine Lanze für den bei uns heute nicht mehr geachteten Holunder, den dafür die Österreicher umso mehr schätzen. Natur pur auch im skandierenden Begleitgesang eines Trauerschnäppers. Das störte überhaupt nicht den Blick in die lyrische Landschaft und Autobiografie eines Wortsammlers und Landgängers, der mit Ehrungen für Tiervater Brehm und die „scheißhüttelbirn“ im Garten an der Wesenitz aufwartete. Passender Abschluss: Gedichte über Herders Garten in Weimar und die den Himmel bewohnenden Mauersegler. Welch beglückender Nachmittag.

OTZ-Kulturseite am 08.07.2014