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02.06.2012

Freundliche Mitmenschlichkeit - Die DNT-Opernsängerin Christine Hansmanns lädt ein zur „Flucht ins Gelände“

von Martin Straub TLZ

Vor zehn Jahren veröffentlichte der „Palmbaum“ erstmals Gedichte von der Opernsängerin am Deutschen Nationaltheater, Christine Hansmann. Später konnte man in der Zeitschrift „Ort der Augen“ Verse von ihr lesen. Und immer wieder las sie im Freundeskreis von Gisela Kraft. Nun liegt ihr erster Band im Wartburg Verlag vor. „Bilderbuch“, „Blickwechsel“ und „Nachklang“ sind  die Kapitel überschrieben. Die Gedichte mit ihren meist dreizeiligen oder vierzeiligen Strophen nehmen den Leser für sich ein. Nicht nur, weil er  mit ihnen in der Thüringer Landschaft, der Umgebung Weimars verweilt, auf dem  Ettersberg oder dem Bärenhügel, in Plinz , auf Beckers Kirchhof oder auf dem historischen Friedhof in Buttstädt, dem Campo Santo. Sondern weil etwas von der Anmut und der Geschichtsträchtigkeit dieser Orte in den Versen selbst aufgehoben ist. „Halt an Wanderer, den Schritt: heiliges / Feld,  Vorgebürge grünender Hoffnung, / Buntsandstein in verwitterten Wellen“, lautet die erste Strophe über den Buttstädter Friedhof. Christine Hansmann gibt ihren Gedichten etwas, was man bei heutiger Lyrik oft vermisst: es ist die Einfachheit und damit auch eine Eingängigkeit. Da ist so gar nichts von Verkopftheit oder Weltüberdruss. Man lese die „Kleinen Zeilen von der Liebe“ mit ihrem innigen Grundgestus. Vielleicht ist ab und zu in diesen Versen ein kleines Gramm zu viel Gefühl. Doch den Leser nimmt diese Verbindung von Singen und Sagen gefangen Dabei baut Christine Hansmann kleine Widerstände ein, wenn sie die Strophen durch Zeilensprünge aufraut und gleichsam Einhalt gebietet. Sind es Idyllen von einer heilen Welt? Nein, vielmehr setzt sie dem heutigen  Leben mit seinen scharfen Konflikten und Verwerfungen etwas entgegen, dass es mit Kräften zu bewahren gilt, freundliche Mitmenschlichkeit.

Es wird ja immer wieder gesagt, in Thüringen gedeihe die Lyrik besonders gut. Der Band benennt Gründe. Die drei Widmungsgedichte für Gisela Kraft, die für Christian Rosenau und Nancy Hünger machen einsehbar, wie Schreibende aufeinander zugehen und zuhören. Es ist dieses  Geben und Nehmen, auf das auch Nancy Hünger in ihrem schönen Nachwort aufmerksam macht. Dabei ist die Autorin selbstbewusst genug, ihren ganz eigenen Blick auf die Landschaften und Wechselfälle des Lebens zu geben.Und hier fällt das Ganze rahmende, Gisela Kraft gewidmete Gedicht „Sommergewinn“ besonders auf. Es wurde von George Alexander Albrecht vertont. Der Abdruck seiner Notenhandschrift durchzieht den Band. Dieses Gedicht auf den Tod der Freundin und Mentorin steht wiederum in einer unaufdringlichen Verwandtschaft zu einem, das Gisela Kraft 2007 auf den Tod einer Gefährtin schrieb. In der mittleren Strophe von Christine Hansmann heißt es: „Längst sind dir Flügel gewachsen, / ein Federkleid aus Worten, purpurn, / zinnober-,paradiesapfel- / rot wie deine Augustgewänder“. Das Gedicht lebt durch seinen ganz leises Pathos  Gerade in ihm sind deren lyrische Tugenden der Autorin auf das schönste versammelt.

 

Christine Hansmann: Flucht ins Gelände, Gedichte, Wartburg Verlag 2012, 63 S., 9,90 €

 

Buchpremiere am 7.6.2012, 20.00 Uhr im DNT Weimar. Es musizieren: Jan Doormann (Klarinette), Nikolai Jäger (Flöte), Brigitte Horlitz (Oboe) und Marco Thinius (Fagott)