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22.03.2006

Frau Hai im Fischzirkus

von Martin Straub TLZ

Jena. (tlz) Ein Vorgang, der Schule machen könnte: Dreizehn Schülerinnen und Schüler der Rodatal-Grundschule in Jena-Lobeda stürzten sich unter Anleitung des Schriftstellers Rainer Hohberg in ein ungewöhnliches Experiment. Sie wollten ein Buch schreiben. Und sie haben es geschrieben. Sein Titel: "Die rosarote Haifisch-Dame". Am morgigen Donnerstag wird es in der Schule vorgestellt.
Die Vorgeschichte: Im November 2004 besuchte Rainer Hohberg die Lobedaer Grundschule zu einer Lesung und kam mit den Schülern der vierten Klasse ins Gespräch. Ob denn der Schriftsteller nicht besser Wortsteller heißen müsse, fragte ein Schüler. Bei Lesung und Gespräch aber blieb es nicht. Die Schüler selbst sollten schreiben und dabei Erfahrungen sammeln. Fantasie und Einfälle waren genug vorhanden. Aber die Umsetzung war schwierig. Und so sind in den Band auch jene aufgenommen, die mit ihren Erzählungen nicht ganz fertig wurden.

Einzige Vorgabe: Die Geschichten sollten möglichst in ihrem Wohngebiet spielen. Und da wurden die Verhältnisse zum Tanzen gebracht. Asma und Natalja schrieben über den Geist Alfred von der Lobdeburg, der dann sogar die Mutter eines gewissen Felix heiratete. Und Coras Geschichte von der rosaroten Haifisch-Dame erzählt, wie sich jene ihren sehnlichsten Wunsch erfüllt und im Fischzirkus in der Saale auftritt. Sie wohnt übrigens in einem Abflussrohr, das in den Fluss mündet. Oder Alina erzählt die Geschichte von einem Jungen, der stets Pech beim Würfeln hat, bis er dem Glücksfängerengel begegnet.

Zaubern im Alltag

All diese Geschichten, in denen es phantastisch zugeht und in denen viel gezaubert wird, berichten auch von den Sehnsüchten und Wünschen ihrer Verfasser und ihrem nicht immer leichten Alltag. Dass alle dreizehn Schüler über Wochen hin bei der Sache blieben und niemand aufgab, ist bemerkenswert. Bemerkenswert ist auch, mit welchem Engagement die Schule dieses Projekt unterstützt hat. Und noch eines sei hervorgehoben: Ohne die Förderung des Projekts durch Jenawohnen, wäre es nicht zustande gekommen. Als der Lese-Zeichen e.V. dem Unternehmen das Vorhaben vorstellte, war man sofort zur Unterstützung bereit. "Wir helfen dem Projekt gern", sagte Doreen Geis, zumal es in einem Jenaer Stadtteil angesiedelt ist, wo man viele Mieter habe. Rainer Hohberg, Jenawohnen und der Lese-Zeichen e.V. sind um Erfahrungen reicher und wollen die Zusammenarbeit fortsetzen. "Nur weil du mehr Vertrauen und Selbstbewusstsein hattest, hast du mit den Zauberwürfeln auch mehr Glück gehabt", sagt am Ende der Glücksfängerengel dem kleinen Petrik. Wie er haben alle beteiligten Schüler mehr Selbstvertrauen gewonnen.

! Buchvorstellung: 23. März, 11.20 Uhr, Rodatalschule Jena-Lobenda