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24.03.2003

Fräulein Moxas Leben und ihre Liebe zu Herrn Pößneck

von Stephan Breidt Ostthüringer Zeitung

Von Stephan Breidt Ranis (OTZ). Klug, einmalig und schlau sei das Buch, urteilte einer der Zuhörer am vergangenen Mittwochabend. Humorvoll und hintersinnig, sagten andere.

Alle sind begeistert vom nun vorgelegten Werk der Raniser Stadtschreiberin Anja Tuckermann. Die in Berlin lebende Schriftstellerin und Journalistin begeisterte bereits mit Auszügen aus dem Buch zu den Literatur- und Autorentagen auf Burg Ranis im vergangenen Jahr. Zu dieser Zeit, im Sommer 2002, war ihre Zeit als Stadtschreiberin in dem Burgstädtchen vorüber, sie übergab das literarische Zepter an Jochen Weeber.

Vorabexemplare des Buches mit dem schlichten Titel "Fräulein Moxa" sorgten in der Pößnecker Goethe-Gesellschaft für unterhaltsame Stunden. Schüler des Gymnasiums Am Weißen Turm hatten Teile der Liebesgeschichte um Fräulein Moxa und Herrn Pößneck vorgetragen (OTZ berichtete). Auch bei Lesungen in Bremen und Zürich sei ihr Buch gut angekommen, berichtete Anja Tuckermann während des Stadtschreibergespräches im Raniser Gasthaus Zur Schmiede, der auch einige Absätze im "Fräulein Moxa" gewidmet sind. Mittlerweile habe sich ein Komponist das Buch zum Lesen geborgt, um daraus eventuell eine Oper zu machen. Das sind die neuesten Pläne, über die die Ex-Stadtschreiberin den Ranisern Auskunft gab.

Die Idee zum Buch sei ihr während einer Autofahrt gekommen: "Ich habe die Karte gelesen und dann von Fräulein Moxa und ihrer Freundin Krölpa gesprochen." Danach, verriet Anja Tuckermann, habe sie in der Gegend genauer hingehört, sie habe sich in die Sagenwelt der Region vertieft, sich mit vielen Menschen getroffen und schließlich Fräulein Moxa erschaffen.

Das Fräulein ist Mutter von fünf Kindern und lebt in einem Haus, das aus Steinen eines Nonneklosters gebaut sei. Aber mit dem Leben einer Nonne sei das von Fräulein Moxa keinesfalls zu vergleichen, heißt es in den ersten Zeilen des Buches. Sie liebt das Leben und die Liebe. Herr Pößneck ist nicht ihr einziger Liebhaber, auch Herr Bucha und Herr Paska, der Kahla und der Lothra beten das Fräulein an.

Ein Wunschtraum sei Fräulein Moxa, erzählt Anja Tuckermann: "Sie ist eine Frau, die macht, was sie will." Das habe auch Auswirkungen auf das Leben der Autorin: "In schwierigen Situationen frage ich mich, was Fräulein Moxa machen würde."

Nach dem jugendlich-frechen Buch "Silberfischchen" vom ersten Stadtschreiber York Sauerbier (1998/1999) und der schwer zu fassenden "Herbstzeit" von Heide Haßkerl (2000/2001) liegt nun die am stärksten in der Region verwurzelte Erzählung vor. Dr. Martin Straub, Geschäftsführer des Vereins Lese-Zeichen, lobte das Engagement der Autorin in und um Ranis: "Sie hat den Sound der Gegend eingefangen." Darüber hinaus habe sie eine neue Facette des Stadtschreiber-Lebens eingebracht: "Sie suchte gezielt den Kontakt zur Schülern und Lehrern." Gemeinsam mit den Kindern beschäftigte sie sich mit der Literatur aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die Begeisterung in Ranis über "Fräulein Moxa" und ihre geistige Mutter Anja Tuckermann ist so groß, dass sie am vergangenen Mittwoch spontan als Ehrenbürgerin vorgeschlagen wurde.